2. Teil meiner Myanmar Reise

Mein nächstes Ziel nach Mrauk-U hieß Bagan. Mit seinen ca. 3500 Tempeln, Pagoden und Stupas auf 40km2 ist dieser Ort einzigartig in der Welt – also ein absolutes Must See, wenn man in Myanmar unterwegs ist. Was natürlich auch bedeutet, dass Meinereiner dort nicht allein sein wird. 😉 Nach dem verschlafenen Mrauk-U also das komplette Kontrastprogramm. Aber Schritt Nummer eins hieß: Ankommen. Was wiederrum eine Wachphase von ca. 22 Stunden bedeutete. 🙂

Mein Bus von Mrauk-U sollte eigentlich 8:00 Uhr morgens starten. Natürlich war ich etwas eher vor Ort. Etwas eher hieß vorbildlich um 7:30 Uhr. Der Bus ließ jedoch etwas länger auf sich warten. Wir starteten nur knapp zwei Stunden später gegen 10:00 Uhr. 🙂 Es war also alles im grünen Bereich. Ich war froh, dass es (a) nur zwei Stunden waren und (b) er überhaupt gekommen ist.

Leider gibt es noch keine Direktverbindung von Mrauk-U nach Bagan. Wir streiften mein erhofftes Ziel jedoch in 50 km Entfernung. Kurz nach 1 Uhr nachts bin ich also in Kyaukpadaung (gesprochen: Tschapadau, der Buchstabe „K“ wird hier hartnäckig ignoriert 🙂 ) fast im Nirgendwo ausgestiegen. Ich musste sehr spontan entscheiden, ob ich wirklich hier aussteigen oder bis nach Mandalay weiterfahren und von dort aus einen Bus zurück nach Bagan nehmen wollte.

Also Variante A: Ich bin eine Stunde von Bagan entfernt, wußte aber nicht, wann ein Bus dorthin fährt. Variante B: Ich fahre weitere 5 bis 6 Stunden in die zweitgrößte Stadt des Landes, um von dort einen Direktbus zu nehmen, welcher 5 bis 6 Stunden nach Bagan zurück benötigt. Variante B klingt vielleicht unlogisch, wäre aber eine Option gewesen, wenn in Variant A, der Bus erst abends oder gar nicht gekommen wäre. Aber nein, ich hatte ein weiteres Mal unglaubliches Glück. Als ich aussteigen und kurz klären wollte, ob es ein Hotel in der Nähe gibt, nur für alle Fälle, kam mir eine Frau entgegengelaufen und fragte mich, wo ich hin wollte. Mich hat also jemand angesprochen, der (1.) passables Englisch sprach!!, (2.) im fast Niemandsland!! und (3.) um 1 Uhr morgens!! Unglaublich!! 😀 Und als der Engel dann auch noch sagte, dass wir einen Bus nach Bagan in 35 Minuten erwarten, war die Nacht perfekt. Das mit den 35 Minuten war mir fast schnurz. Selbst wenn der Bus in zwei oder drei oder fünf oder sechs Stunden gekommen wäre, wäre ich auch mit glücklich gewesen. Kurz vor drei kam er dann. Ja, ich spreche immernoch von nachts. 😉 Ich musste also kaum zwei Stunden warten. 🙂 Und geschlagene 50 Minuten später war ich fast am Ziel angekommen, aber auch nur fast. Es wartete noch eine 20-minütige Taxifahrt auf mich. Angefangen zu Handeln hat der „Gute“ bei 12.000 Kyat (8,60 Euro). Hahaha…… Nicht schlecht Herr Specht, allein die 18 Stunden Busfahrt haben mich 25.000 Kyat (17,85 Euro) gekostet. Aber die Birmanen haben mal wieder an alles gedacht, am Busbahnhof gibt es eine sehr nette Ansage und wenn man sich nicht hetzen läßt und sich diese in Ruhe anhört, bekommt man in Endlosschleife mitgeteilt, dass 8.000 Kyat der normale Preis nach Neu-Bagan ist. Und ratet mal für wieviel ich nach Neu-Bagan gekommen bin…. Ich bin zwar manchmal noch etwas naiv, aber so naiv auch nicht mehr….. 😀

4:20 Uhr war ich dann schließlich angekommen und alles schlief noch, natürlich…. Gegen 5:00 Uhr öffnete dann das erste Hotel, in welchem ich fragen wollte, ob es noch ein freies Zimmer bzw. ein freies Bett im Schlafsaal gab, seine Türen. Mittlerweile waren noch zwei weitere Backpacker angekommen. Meine direkten Konkurrenten um einen Schlafplatz…. ;-D Nachdem die Rezeptionistin uns entdeckt und die Türen geöffnet hat, konnte ich mich erst einmal bis kurz vor sieben auf dem in der Lobby stehenden Sofa langmachen und meine Augen schließen. Ich habe sogar eine Decke und ein Kopfkissen bekommen! Leider hatten sie keinen Schlafplatz für mich. Ich habe aber relativ schnell einen in einem anderen Hostel gefunden – für einen Wucherpreis, aber wie gesagt, Bagan ist die mit am stärksten besuchte Region Myanmars.

Hier blieb ich vier Nächte. Absolutes Muss: Aufstehen kurz nach halb fünf um den Sonnenaufgang zu begutachten und natürlich durften auch Sonnenuntergänge nicht fehlen. Einen Sonnenaufgang habe ich einmal geschafft. 😀 Super witzig: An diesem Tag wollten ¾ des Schlafsaales Richtung Sonnenaufgang, so dass wir uns gegenseitig weckten. Den Abend zuvor hab ich mir ein Fahrrad ausgeliehen, was die ersten Stunden am Morgen kaum Sinn gemacht hat, da Bagan ziemlich wüstenähnlich mit sehr viel Sand ausgestattet ist. Das heißt, die ersten Stunden habe ich es mehr geschoben als gefahren. Sehr witzig. Ich musste mir aber auch einen Tempel abseits aspaltierter Straßen aussuchen….. 😀

Der Sonnenaufgang selber war nett. Wenn man ein bisschen mehr Geld auf der hohen Kante hat, kann man den Beginn des Tages in einem Heißluftballon erleben. Siehe Fotos: Eine Menge Menschen haben mehr Geld auf der hohen Kante…. ;-D Ich bin dann noch den ganzen Tag durchs Gelände gekurft und habe nach und nach die Tempel „abgearbeitet“ welche ich sehen wollte. Um die Mittagszeit wurde es sehr heiß, so dass ich meist eine zweistündige Pause in einem Restaurant eingelegt habe bei lecker Essen und Fruchtshakes. Am nächsten Tag habe ich mir ein E-Bike gegönnt und bin über den Asphalt gefegt. Bergrunter mit fast 50 Sachen, yeahh…., hat viel Spaß gemacht, schneller ging nicht. Das Bike hatte eine interne Geschwindigkeitsbegrenzung – so würde es Frau formulieren…. 😀

Alle 3000 Pagodas habe ich nicht geschafft, aber ich habe laut Tourguide den höchsten, prächtigsten,  glänzensten, den mit der schönsten Aussicht, den ungewöhnlichsten und den mit den feinsten Sandsteinreliefs Tempel gesehen. Neben zig anderen kleinen.

Also Fazit Bagan: Es ist ein Must See, es kann nicht nur teuer werden – es ist teuer und drei volle Tage reichen dicke um alles „wichtige“ auszukundschaften.

Urspünglicher Plan nach Bagan war eine dreitägigie Wanderung von Kalaw zum Inle-Lake. Touristenattraktione Nummer zwei in Myanmar. Hier sind die Einbeinruderer zu Hause und auf einem See schwimmende Dörfer und Märkte. Ein Deutscher empfiehl mir jedoch eine andere Region zum Wandern. Mein geplanter Trip wäre bereits zu touristisch, zu durchgeplant und vorhersagbar. Also auf in den Shan State Richtung Nordosten, auf nach Hsipaw (gesprochen Tibo, fragt nicht warum….). Mein Bus ging um 15:00 Uhr, Ankunft war erneut gegen 1:30 Uhr nachts. Dieses Mal war ich froh um die Direktverbindung, die sich anscheinend noch nicht rumgesprochen hatte, und auch dieses Mal fragt man keinen, wann genau die Ankunft erwartet wird. Nach 20 Minuten hatte ich mein Hostel gefunden, welches ich dieses Mal im Voraus gebucht hatte. Rezeption geweckt, eingecheckt, also alles gut. Mein Plan hier war eine dreitägige Wanderung und zwei Übernachtungen in Bergdörfern. An dem Tag, an dem wir starten wollten, goss es leider in Strömen. Mein erster Regen seit Monaten. Ich meine, kein Problem, aber warum an dem Tag meiner Wanderung?? Seufzt…. Im Minutentakt haben alle 6 Personen unserer Gruppe ihre Teilnahme zurückgezogen. Nur ein weiterer Deutscher, mit dem ich eine Woche zusammen reisen sollte, und ich warteten bis zum letzten Moment. Leider goss es den ganzen Tag. So hatten wir einen weiteren ungeplanten, jedoch netten Tag zum Entspannen. Am nächsten Tag konnten wir dann unsere Wanderung mit Guide antreten. Ein Deutscher, ein Engländer und ich. Also ein sehr nettes kleines Grüppchen. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Es ist einfach sehr beeindruckend einen unverfälschten Eindruck von der Lebensweise der Menschen in den Dörfern zu bekommen. Wettertechnisch hatten wir alles. Von Sonnenschein bis Regen bis Nebel. Unsere Wanderung führte uns durch seichtes offenes Bergland und dschungelartiges Waldgebiet. Es war auf jeden Fall ein unvergessliches Erlebnis. Die Menschen waren unglaublich freundlich, sehr neugierig und sehr entspannt. Und das Essen war wirklich sehr lecker. Uns mangelte es an nichts. Wir beendeten die Wanderung mit einem Bad in heißen Quellen. Ich weiß gar nicht mehr, ob es kälter war an diesem Tag, aber wir starteten unsere Wanderung bei Regen und durchwanderten gegen Nachmittag eine starke Nebelfront. Die heißen Quellen waren wirklich sehr heiß. Ich habe es nur ein paar Minuten darin ausgehalten. Die Einheimischen scheinen sich hier regulär zu waschen. Ich musste nur schauen, dass mein Körper nicht überhitzt. Schwimmkleidung für Frauen ist ein riesiges Tuch, welches Oberkörper und Beine bedeckt. Frauen und Männer baden getrennt.

Nach sechs Tagen in Hsipaw wollte ich dann jedoch weiter. Unser kleines Dreiergrüppchen sollte auch die nächsten Tage bestehen bleiben. Wir waren alle drei auf dem Sprung und hatten dasselbe Ziel. Also warum nicht zusammen reisen? Unser Ziel hieß Pyin U Lwin. Und wir hatten uns fürs Zugfahren entschieden. Warum? Da man auf der berühmtesten Eisenbahnbrücke Myanmars eine tiefe Schlucht überwindet. Das Gokteik Viadukt (es kann gerne gegoogelt werden) wurde 1899 von den Briten in Auftrag gegeben. Die Stahlkomponenten wurden dafür eigens aus den USA nach Myanmar gebracht. Zur Zeit seiner  Fertigstellung im Jahr 1900 war es das zweitgrößte Viadukt der Welt. Wir sind im Schritttempo die 800 m entlang geeilt, 111 m über dem Grund auf einer sehr schmalen Gleiskonstruktion. Die ersten Sekunden sind unglaublich gruselig. Es ist ein Abenteuer von Anfang bis Ende. Die „Überfahrt“ dauert vielleicht ca. 5 Minuten, dann hat man wieder festeren Boden unter den Füßen und nicht mehr das Gefühl über dem Abgrund zu schweben. 😀

Pyin U Lin liegt auf einer Höhe von 1100 m. Die Briten zogen sich während der heißen Monate in der Zentralebene hierhin zurück. Das Klima ist also recht angenehm. Wir verbrachten zwei Nächte hier, bevor jeder von uns in eine andere Richtung aufbrach. Mich zog es zurück nach Yangon. Mein Visum lief ab und ich hatte bereits meinen Rückflug gebucht. Der Inle Lake mit seinen Einbeinruderern und den schwimmenden Dörfern muss also noch etwas auf mich warten.

In Pyin U Lwin wanderten wir zu einem wirklich schönen Wasserfall und verbrachten den Nachmittag in einem botanischen Garten. In dem knapp 100 ha großem Park findet man Blumenbeete, Bambuswaldgebiete, einen Orchideengarten, eine Art Sumpfgebiet, welches man auf einem Plankenweg durchqueren kann, ein Gehege mit seltenen Takinen und einer riesigen begehbaren Vogelvoliere mit Hornvögeln und Pfauen. Ich war sehr, sehr begeistert.

Myanmar war rundum ein Abenteuer. Die Menschen waren bis jetzt die freundlichsten auf meiner ganzen Reise, welchen ich begegnet bin. Ich bin ein großer Fan von Yangon. Ich mag die Stadt sehr und ihrem Trubel auf der Straße in Form von Verkaufs- und Essensständen. Ende März war ich ein zweites Mal, aber mit Sicherheit nicht mein letztes Mal, in diesem noch fast unbekannten Land.

Der erste Teil der Fotogalerie enthält Bilder aus Bagan. Ich hoffe sehr ich überfrachte euch nicht mit zu vielen Tempel- und Buddhabildern. Aber zum Glück sehen die Tempel und zum Teil auch die Buddhastatuen unterschiedlich aus. 😉

Teil 2 startet mit einer kleinen Wanderung  zu einem Wasserfall in Hsipaw. Daran schließt sich die zweitägige Wanderung mit Übernachtung in einem Bergdorf an. Es folgt die spannende Bahnfahrt und meine zwei Tage in Pyin U Lwin.

Ein Kommentar

  1. Huhu Nancy, wie schön, wieder von dir zu hören ? Das hört sich ja alles super an! Auf noch viele weitere so tolle Erlebnisse. Viele Grüße, Marleen und Tobi

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.