Heiße Zitrone mit Honig

Seid knapp einer Woche bremst mich eine leichte Erkältung leider etwas aus. Diejenigen von euch, die mich gut kennen, können erahnen, dass „leichte Erkältung“ in Nancy-Sprache übersetzt heißt: Mich hat es voll erwischt. Ich habe leider ungewollt das Komplettprogramm gebucht. Halsschmerzen hab ich zum Glück hinter mir, Nase ist noch im vollem Gange. Nicht so prickelnder Husten ist seit vorgestern hinzugekommen und meine Stimme, jaja…, ihr kennt es…., ist mindestens zwei Oktaven nach unten gerutscht, obwohl es im Moment eher ein Krächzen ist…. 😉 Naja, ich halt mich tapfer. Zwei Tage war ich mehr oder weniger vernünftig und habe mich kaum bewegt, geschlafen, gelesen und Filme geschaut. Da im Moment jedoch das Delhi Photo Festival stattfindet und ich einfach meinem „Ich-muss-mich-bewegen-Drang“ nachgehen muss, zieht es mich leider automatisch nach draußen. Bereits zweimal dachte ich, ich hätte die Bazillen besiegt, doch sind sie dieses Mal leider etwas hartnäckiger. Ich kämpfe wie gewohnt mit all meinen Mittelchen. Neben heißer Zitrone mit Honig stehen heißes Wasser, Ingwertee und Grüner Tee auf der Karte mit den heißen Getränken. Die Nase mit Salzwasser spülen und mit Wasser + Apfelessig + ein paar Tropfen Teebaumöl gurgeln (lieben Gruß an Constance 🙂 ), hört sich ekliger an als es ist. Hinsichtlich des Hustens habe ich gerade Zwiebeln mit Zucker angesetzt. Ist mein erstes Mal. Ich werde berichten… Wenn deine Mitbewohner Freunde einladen und heißes Wasser mit Rum und Honig servieren, schadet es nicht ein Gläschen mitzutrinken und finally: nach zwei Monaten kalten Duschens, ziehe ich nun eine warme Dusche vor. 😀 Also Daumen drücken ihr Lieben, dass dies genügt, um wieder fit zu werden. Und was soll ich sagen: Ich vermisse Omas Salbeibonbons. 🙂

Folgender Satz hat im Moment Hochkonjunktur zum Thema Wetter: „The weather is changing.“ Und ja, in der Tat, es hat sich verändert und wird sich in den nächsten Wochen noch deutlich verändern. Wir haben immernoch Temperaturen um die 28° bis 30° Grad, morgens und abends (und natürlich auch nachts 😉 ) ist es jedoch spürbar kühler. Man benötigt nun mindestens ein Tuch um den Hals, eine Strickjacke und mit Flipflops bekommt man abends kalte Füß. Unsere Deckenventilatoren stehen nun schon seit ein paar Tagen still und werden nur noch ganz selten angestellt. Auch Inder haben zum Teil mit dem Wechsel und der damit einhergehenden Erkältung zu kämpfen. Die Temperaturen werden in den nächsten Wochen stetig sinken. Einen Vergleich zu unserem deutsch/europäischen Herbst kann man nicht wirklich ziehen. Wir bewegen uns einfach nur auf den „Winter“ zu, was bedeutet es wird bewölkter, nebliger, grauer und die Temperaturen sinken auch schon mal in den einstelligen Bereich (ab Dezember). Bis jetzt färben sich hier keine Blätter bunt…;-)

Was hab ich die letzten Wochen so schönes getrieben. Ich würde mal sagen: a lot. 🙂 Ich habe unter anderem an zwei Delhi Walks teilgenommen. Einen zum Thema Architektur und einen in Old Delhi mit Zielzeit 7 Uhr morgens an einem Sonntag. Man gönnt sich ja sonst nix. Das heißt, aufstehen war gegen 5 Uhr angesetzt, was auch geklappt hat. 🙂 Diese Aktion war auch vorletzten Sonntag geplant. Aber da hat mir die Zeitumstellung in Deutschland einen Strich durch die Rechnung gemacht bzw. mein liebes Handy, welches automatisch dieser Umstellung gefolgt ist. Im Glauben kurz nach 5 Uhr aufgestanden zu sein, war es hier in Indien jedoch bereits um 6 Uhr und in dem Moment, in dem ich das Haus verlassen wollte, rief mich der Guide an und fragte, wo ich bin. Ich meinte, ich bin noch zu Hause, aber quasi auf dem Weg. Und er meinte, es ist aber schon 7 Uhr und ich schaue auf mein Handy und da steht 6 Uhr. Es hat ein paar Minuten gedauert, bis ich verstanden habe, was passiert ist. Letzendlich war es super schade, da ich mich eine ganze Woche auf diesen Walk gefreut habe. Nun jut, nachdem ich die Enttäuschung verkraftet habe, bin ich zurück ins Bett. 😀 Am Nachmittag habe ich dann meinen ganz persönlichen Spaziergang durch Delhi organisiert und war ein paar Stunden mit meiner Kamera und meinen neuen, super tollen, Stativ unterwegs. 😀 Ja, ich habe mir ein Stativ zugelegt und ich liebe es. Es hat mich Stunden der Recherche und des Vergleichens gekostet, aber ich habe genau das, was ich wollte. In Indien ist die Auswahl nicht wirklich groß und in einen Laden spazieren und sich unterschiedliche Modelle anschauen, ist hier eher nicht möglich. Da „A“ Mangel an Läden und „B“ keine wirklich große Auswahl vorhanden. Aber Mission dennoch erfolgreich abgeschlossen. 🙂

Wie gesagt, bin ich an dem Sonntag einfach losgestiefelt, an einer Metrostation in der Nähe von Old Delhi ausgestiegen und losgelaufen und gelaufen, gelaufen, gelaufen. Die erste dreiviertel Stunde war wirklich sehr eigenartig. Ich bin in einer Straße gelandet, in der ausschließlich Männer waren. Es war eine sehr große Straße und 4 Uhr Nachmittags, daher alles im grünen Bereich, aber ein komisches Gefühl war es trotzdem. Zum Glück bin ich dann auf einen Markt gestoßen und hier war Trubel angesagt und zum Glück waren auch super viele Frauen anzutreffen. An diesem Tag habe ich mich einfach treiben lassen und mich an jeder Kreuzung spontan für eine Richtung entschieden. Mein neues Stativ habe ich am India Gate ausprobiert. Ich bin ein großer Fan von Lanzeitbelichtung, daher die Notwendigkeit eines Statives. Fotos siehe unten. Ich habe in paar witzige Aufnahemen mit Luftballons geschossen. Das India Gate erinnet an die im ersten Weltkrieg und 1919 im Krieg gegen Afghanistan gefallenen indischen und britischen Soldaten. Architektonisches Vorbild für das 42m hohs Gate war der Triumphbogen in Paris.

Ansonsten nehme ich weiterhin an Schulaktivitäten teil. Ich war nochmals in Old Delhi, wie gesagt, mag ich dieses Viertel sehr. Ich weiß nun wie man einen Sari bindet und habe das Humayun Mausoleum erkundet. Hinsichtlich des Sari-Bindens war ich sehr überrascht. Es ist gar nicht sooo kompliziert sich in das 6 bis 8 Meter lange Tuch zu Knoten. 😉 Das komplizierteste ist das Faltenlegen vorn, hier braucht man als Anfänger vier Hände um zurecht zukommen. Der Sari an sich besteht immer aus drei Teilen: Einem Unterrock, einer kleinen Bluse und dem rechteckigen Tuch, auch Nine-Yard genannt. Neun Yard sind rund 8 Meter. Den Teil, der über der Schulter hängt, nennt man Pallu. Er ist meist verzierter oder in einer anderen aber passenden Farbe. Mein Wickelresultat mit Malikas Hilfe seht ihr auf den Fotos, wobei ich nicht die traditionelle Bluse trage, sondern mein eigenes Oberteil. Wenn man möchte kann man den Pallu mit einer Sicherheitsnadel in Höhe Schulter fixieren, ansonsten benötigt man keinerlei weitere Hilfsmittel, damit alles dort bleibt, wo es hingehört. 🙂

Ein wirklich sehenswerter Ort in Delhi ist das Humayun Tomb. Seit 1993 gehört es zum UNESCO Weltkulturerbe. Wir waren an einem Freitagnachmittag da. Es war super friedlich und wenig besucht. Man bewegt sich in einer wunderschönen weitläufigen Grünanlage mit dem Grabmal im Zentrum. Nachdem die anderen entschieden hatten zur Schule zurückzukehren, wollte ich noch eine Weile bleiben. Nach ein paar Minuten des allein Herumspazierens hat mich ein indisches Pärchen angesprochen. Sehr witzige Gesellen. Wir haben die nächste Stunde zusammen verbracht. Beide haben mir folgenden Satz in Hindi beigebracht: „Ich bin cool“. Hahahah… 😀 Und Manish wollte unbedingt folgenden Satz lernen: „Du bist so schön.“ Wirklich sehr süß die zwei. Wir hatten eine lustige gemeinsame Stunde.
Ansonsten hat sich Mohan bereit erklärt mit mir shoppen zu gehen, mit Rahul war ich im India Internatioal Centre, um ein geniales und sehr lustiges Theaterstück zum Thema „Don Quixote and His Epoch“ zu sehen und Vaswati hat mich auf eine kleine aber feine Kunstausstellung begleitet. Ein Inder, den ich beim Old Delhi Walk kennengelernt hatte, hatte mich zu dieser Ausstellung eingeladen. Seine Mutter stellt dort aktuell drei Bilder aus. Sie war total überrascht, als ich meinte, ihre Werke erinnern mich an Monets Wasserlilien. In der Tat waren diese Gemälde ihre Inspiration. Sie hat sich mega gefreut, dass erstens eine Europäerin gekommen ist, um ihre Bilder zu sehen und zweitens sie dann auch noch, on-the-top, die Quelle ihrer Inspiration in ihren Bildern erkennt. Für sie war es definitiv ein gelungener Abend…. 😀

Das soweit ein weiterer Ausschnitt aus meinem momentanen Leben. Ein paar Tage bin ich noch in Delhi. Nach Diwali, dem „Festival of Lights“, welches nächste Woche Mittwoch stattfindet und auf das ich mich schon sehr freue, breche ich in Richtung Norden auf. Zwei bis drei Wochen möchte ich Dharamshala und Umgebung erkunden, die Natur und Berge genießen. Bis dahin gilt es jedoch erstmal wieder 100%ig fit zu werden, was hoffentlich die nächsten Tage eintreffen wird.

Kurz noch ein Wort zu meinen Fotos. Im Moment sprechen mich vor allem Farben, Formen und Strukturen an. Noch bin ich nicht die mutige Fotografin, die sich vor fremde Menschen stellt und auf den Auslöser drückt. Obwohl es für mich als Frau und Ausländerin super einfach wäre. Ich könnte jeden fotografieren, einschließlich Männer. Ein männlicher Fotograf würde hier große Probleme bekommen, wenn er Frauen fotografieren würde. All meine indischen Freunde „reden auf mich ein“ und sagen, es ist überhaupt kein Problem. Nicht fragen, einfach Foto schießen. Normalerweise hat keiner ein Problem damit. Also, ich arbeite dran, versprochen…. 🙂 Daher hoffe ich, meine Bilder sind nicht zu langweilig… Weiterhin ist es schwierig, wenn ich allein unterwegs bin, meine Kamera jemanden in die Hand zu drücken und zu sagen, mach mal ein Foto von mir. Ist eher ne schlechte Idee…., nachher kann er schneller rennen als ich…. 😀 Von daher gibt es nicht so viele Fotos auf denen ich zu sehen bin…. Dennoch hoffe ich, euch einen Eindruck bzw. viele verschiedenen Eindrücke von Indien übermitteln zu können.

So, lange Rede kurzer Sinn: Die Galerie startet mit Don Quijote und seinem Diener Sancho Panza. Wie gesagt, es war ein sehr lustiges Stück. Dannach folgen Bilder vom Humayuns Tomb. Dann ich im Sari und mit Neeraj, Koichi, Jorge und Ayuno in Old Delhi. Darauf folgen Bilder von dem organisierten Old Delhi Walk am Sonntagmorgen. Ab Bild 49 seht ihr Bilder von meinem eigens organisierten Spaziergang und Bilder, welche ich zusammen mit Nikhil an einem anderen Abend in Old Delhi aufgenommen habe. Die Serie schließt mit meinen Langzeitaufnahmen am India Gate.

So just go ahead and have fun. 😀 Empfohlene Ansicht: Lightbox, Vollbild mit Informationen.

3 Kommentare

  1. Hi Nancy, wenn ich mich selbst fotografieren will, arbeite ich meistens mit dem Selbstauslöser oder halte mir die Kamera mit langem Arm so halb vor das Gesicht. Funktioniert meist recht gut und du bekommst den Hintergrund mit drauf. Probier mal. Ohne Klug scheißen zu wollen, Lg Borni

    1. Hi Jörgi,
      vielen Dank für den Tip! Doch meine Kamera wiegt nicht ganz 1,5 kg und ich balanciere sie ungern nur in einer Hand. Daher die große Liebe fürs Stativ. 😀

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