Bangkok – Bali – Kopenhagen

„Eigentlich wollte ich nur ein paar Tage in Bangkok bleiben. Ich war am Freitag gelandet, hatte einen Host mit einem tollen Appartement für drei Nächte gefunden und fand mich Montagmorgen erneut in der Botschaft Myanmars ein, um ein neues Visum zu beantragen. Dieses konnte ich am darauf folgenden Tag abholen und wie gedacht Mittwochmorgen erneut in den Bus steigen, welcher mich zu weiteren birmanischen Abenteuern bringen sollte.

Tja, Abenteuer wurden es, jedoch nicht auf birmanischer, sondern weiterhin auf thailändischer Seite. Ich blieb für weitere drei Wochen in Thailand bevor es wieder nach Myanmar gehen sollte. Was war passiert? Ein Amerikaner kreuzte noch am Montag nach Beantragung des Visums meinen Weg. Und nachdem wir einen sehr lustigen Dienstag miteinander verbracht hatten, legte ich meinen Myanmar Plan vorerst beiseite und verbrachte mit ihm den restlichen Monat.“

Und das aus diesem restlichen Monat drei Jahre werden würden…. Wer hätte das gedacht? 😀 Und das ich diesen Amerikaner mal heiraten würde…. Das habe nicht mal ich gedacht…. 😀

Dieser Amerikaner heißt Daniel und euch zum ersten Mal vorgestellt habe ich ihn in meinem Beitrag „Thailand – Myanmar – Thailand: Mein März“, siehe obiges Zitat. Heute vor genau drei Jahren lernte ich Dan kennen und ich dachte mir, ich feier unseren Jahrestag mit euch und veröffentliche zur Feier des Tages ein paar Bilder von unserer Hochzeit.

Gefragt, ob ich ihn heiraten möchte, hat Dan mich letztes Jahr Ende April auf Bali. Wir hatten uns ein paar Früchte organisiert und wollten zum nächstgelegenen Strand, um uns den Sonnenuntergang anzuschauen. Und da saßen wir nun, ganz unschuldig im Sand am Strand oder besser gesagt, ICH saß da nun ganz unschuldig im Sand am Strand. Irgendwann zwischen den Früchten und dem Sonnenuntergang fragte er mich, ob er mir eine Frage stellen könnte. Da mich jeder (eigentlich 😉 ) immer alles fragen kann, sagte ich „Na klar“ (oder so :-D) und sah ihn gespannt/wartend/fragend an (oder so :-D).

Und dann fragte er mich ohne große Schnörkel und gerade heraus, ob ich seine Frau werden möchte. Er stellte mir eine Frage mit welcher ich am wenigsten gerechnet hatte. Eigentlich hatten wir mit diesem Thema schon abgeschlossen. Für Dan stand fest, dass er nicht heiraten möchte und mir war es nicht weiter wichtig. Aber jut, da ich jeden Morgen als neuer Mensch mit neuen Ideen und den gemachten Erfahrungen von gestern aufstehe und meine Meinung auch mal ändern darf, durfte Dan das in diesem Fall auch. Er hatte sich an diesem Tag also nicht nur selbst überrascht, sondern auch mal kräftig mich. Und da ich euch in diesem Beitrag ein paar Hochzeitsbilder zeige, liegt meine Antwort so quasi auf der Hand. 😀 Das wir die nächsten Wochen mit einem breiten Grinsen im Gesicht und noch gut gelaunter und verliebter durch die balinesiche Gegend spazierten, versteht sich bestimmt auch von selbst. 😀

Aber gut mit der Frage hatte sich das Thema nicht erledigt – im Gegenteil. Einfach mal zum Standesamt marschieren, ging in unserem Fall nicht. Erstens waren wir auf Bali und zweitens ein internationales Paar ohne Meldeadresse – zumindest meinereiner. Abgesehen davon, dass ich keinen blassen Schimmer vom administrativen Teil des Heiratens habe, mussten wir nun die Antwort auf die sich an den Antrag anschließende Frage finden: Wie heiratet ein Amerikaner eine Deutsche oder auch gerne umgekehrt?

Jeder, der bereits eine Hochzeit vorbereitet hat, kennt natürlich auch die Unterfragen, welche sich im selben Atemzug förmlich aufdrängen: Wann? Wo? Wie groß? Was für Kosten kommen da auf uns zu? Welche Dokumente werden benötigt? Was ziehen wir an? Gibt es einen Ring? Und: Nehme ich Dans Namen an?

Einige davon ließen sich sehr schnell beantworten: So klein wie möglich und Jeans und T-Shirt. 😀 Die anderen benötigten tagelanges Recherchieren, Lesen, Gegenprüfen und Kontaktaufnahme zu unterschiedlichen Ämtern. Ich stand in Mailkontakt mit dem Standesamt in Taucha, in Leipzig, der Ausländerbehörde von Leipzig, der spanischen Botschaft und dem spanischen Außenministerium, dem Bürgerservice von Kopenhagen und dem dänischen Außenministerium. Wir spielten unterschiedliche Szenarien durch: Heirat in Amerika, in Spanien, in Deutschland oder irgendwo in Asien, im kleinen Kreis, im größeren Kreis oder sogar nur zu zweit, in Alltagssachen, in normal weiß oder in etwas schicker weiß, noch im selben Jahr oder 2019. Immer gekoppelt an die Fragen: welche Dokumente werden wo gefordert, wie und von wem bekommen wir diese, wie lange würde es dauern und wie viel würde es kosten? Ich verschone euch mit den Einzelheiten hinsichtlich der geforderten Unterlagen, welche wir hätten einreichen müssen, wenn wir in Deutschland geheiratet hätten…. Von daher rufe ich sehr laut und freudig: Es lebe Dänemark! Das Las Vegas Europas – wie es auch genannt wird.

Ich weiß nicht mehr wie ich darauf gekommen bin oder wer mich darauf gebracht hatte, aber ich glaube bei Mr. Google poppte der Hinweis auf, das Dänemark unglaublich liberal ist hinsichtlich dem Verheiraten internationaler Paare. Und da dies sehr gute Nachrichten waren, suchte ich mehr Informationen hierzu heraus. Lange Geschichte kurz erzählt. Einige Wochen und Mails mit dem dänischen Standesamt später, schickten wir die ersten Unterlagen und den ausgefüllten Antrag zur Eheschließung von Kuala Lumpur per Mail zum Bryllupskontoret (Standesamt auf dänisch) nach Kopenhagen. So langsam nahm also alles ein wenig Form an. Die Frage warum Dänemark lässt sich sehr schnell beantworten: Dänemark behandelt die einzelnen Nationalitäten so als würden sie im Mutterland heiraten. Für Dan war es also ein Kinderspiel. Heiraten in den USA scheint wenig kompliziert zu sein. Hier reicht es den Pass vorzulegen, der Standesbeamte fragt, ob man schon einmal verheiratet war und dann kann man auch schon vor den Traualtar treten.

Nicht ganz so einfach gestaltete sich die Sache für mich. Ich brauchte eine Adresse und einen schriftlichen Nachweis, dass ich noch ledig war. Der kleine aber feine Hacken: Seit 2015 benötigt man zur Anmeldung in einer deutschen Stadt die Bestätigung vom Vermieter, dass man in der angegebenen Wohnanschrift auch wirklich wohnt. Öhmmm, …, okay. Abgesehen davon, dass ich noch nicht vor hatte nach Deutschland zurückzukommen, gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit auch keinen Vermieter, welcher einer Reisenden ohne Lohnstreifen eine Wohnung vermietet hätte. Was soll ich sagen…., gäbe es meine Oma nicht, welche ein Haus hat und sich bereit erklärte, mir das Formular zu unterschreiben, wäre ich heute nicht verheiratet. Situation Nummer 1 hätten wir also geklärt. Ich konnte mich also nach zwei Jahren wieder in dem Land, in dem ich geboren wurde, anmelden. So, nun brauchte ich also nur noch die sogenannte „Erweiterte Meldebescheinigung“ auf der steht, dass ich weder geschieden noch verwitwet, sondern noch ledig war. Auch hierfür ist nach Meldegesetz die Meldestelle verantwortlich. Doch sahen die Mitarbeiter der Behörde das irgendwie anders. Schließlich war ich aus Deutschland abgemeldet und auf Reisen, ich müsste also zum Standesamt und mir dort bescheinigen lassen, dass ich nicht heimlich in Asien geheiratet hätte. Und noch einmal: Öhmmm, …, okay. Aber kein Problem. Wie gewünscht, überquerte ich die Straße und zog artig eine Nummer beim Standesamt. Ich musste auch gar nicht lange warten bis ich zur Standesbeamtin durfte und ihr schildern konnte warum ich da war. In dem übrigens sehr netten Gespräch teilte sie mir (natürlich) mit, dass sie dafür nicht verantwortlich ist. Das wären (natürlich) die Kollegen von Gegenüber. Ich könnte auch gerne den Namen und die Telefonnummer ihrer Vorgesetzten mitnehmen, welche der Mitarbeiter der Meldestelle gerne anrufen könne. Alles klar, wieder kein Problem. Ich überquerte erneut die Straße, meldete mich wieder an und musste dieses Mal keine Nummer ziehen. Der Anmeldemann bat mich kurz Platz zu nehmen. Er informiere einen Kollegen, welcher mich kurze Zeit später zu sich an den Tisch nahm. Auch hier verschone ich euch mit Einzelheiten. Eine Stunde, mehrere Telefonate, das Fragen der Kollegen, das Nachlesen von Protokollen und mein mehrmaliger Hinweis, dass ich im Ausland nicht geheiratet habe (was ich legal übrigens auch nie ohne der Zustimmung meines heimatländichen Standesamtes hätte tun können), später, hielt ich die benötigte Bescheinigung in den Händen. Der Beamte, welcher übrigens auch sehr nett war, entließ mich mit dem Satz: Wenn ich nun doch verheiratet wäre, würde nicht nur ich sehr großen Ärger bekommen, sondern auch er und seine Vorgesetzte. Öhmmm, …, okay. Kein Problem. Ich sagte, er solle sich mal keine Sorgen machen, ich bin nun mal noch nie verheiratet gewesen und könne daran auch nix ändern. 😀

Ich konnte Kopenhagen nun rund machen und dem Standesamt die fehlenden Unterlagen zusenden. Jetzt blieb uns nur noch auf unser Datum für die Trauung zu warten. Zeitlich befinden wir uns im August letzten Jahres. Die Trauung musste bis zum 19. November vollzogen sein, dann waren Dans 90 Tage, welche er sich im Schengenraum aufhalten durfte, um. Hinsichtlich Kopenhagen konnten wir nun also nichts mehr tun und befanden uns in Warteposition. Unsere Wunschangaben bewegten sich um den Zeitraum Mitte/Ende September, doch viel Einfluss nehmen konnten wir hier nicht. Abwarten, Tee trinken und einfach mal schauen, welches Datum das Leben für uns bereit hielt.

In der Zwischenzeit hatte sich auch schon so einiges hinsichtlich der Planung getan. Wir dachten an eine kleine Feier in Spanien. Natürlich musste meine beste Freundin und ihre Eltern dabei sein. Dans Schwester mit Familie, welche in England wohnen und eine Ferienwohnung ganz in der Nähe von Konstanzes Wohnung haben (welch ein „Zufall“! ;-D). Dans Vati und dessen Partnerin hatten eine Reise nach Europa geplant und wollten als große Spanienfans natürlich auch Spanien einen Besuch abstatten. Von daher passte Spanien super. Meine Eltern hatten den Wunsch geäußert bei der Trauung in Dänemark dabei sein zu wollen. Das ging natürlich in Ordnung. Die Feier in Spanien hatten wir für den 14.10. angesetzt. Nun konnte jeder in die Spur und seine Flüge buchen. Unser Flieger nach Spanien sollte am 9.10. abheben. Unser Zeitfenster für die Trauung wurde also immer kleiner und wir hofften das es mit einem Termin im September klappen würde. Etwas Herzklopfen bekam ich mit der Mitteilung, dass es keinen freien Termin im September mehr geben würde. Ich griff gleich zum Hörer und rief Kopenhagen an. Die nächsten Möglichkeiten wäre der 1. oder 5. Oktober. Der 5. war zu spät, da wir noch Freunde in Frankfurt treffen wollten, bevor wir in den Flieger stiegen. Also nahmen wir den 1.10. und waren sehr glücklich damit. Alles fügte sich so, wie es sein sollte und es war sehr interessant zu beobachten, dass das ganze Unternehmen eine Art Eigendynamik bekam.

Wir hatten also fast alle Fragen geklärt. Was noch blieb? Die Kleidungswahl. Noch drei Wochen vor dem Trauungstermin hatten Dan und ich nichts anzuziehen. Und Dan hatte auch noch keinen Ring am Finger. Ich auch nicht, aber meiner würde mit im Flieger aus Amerika sitzen, von daher war diesmal ich in trockenen Tüchern. Dans verstorbene Mutti hatte ihm ihren Ehering vererbt – nur im Fall der Fälle er würde eines tages die Richtige finden (Taaadaaa 😉 ). Und wenn der jetzt noch passen würde, das wäre natürlich mehr als großartig. Aber ich musste bis Spanien warten, um das herauszufinden.

Zurück zur Kleiderfrage. Dans Schwester, welche uns im September für zwei Wochen zu sich einlud, half mir mein Outfit zu finden. Für mich war klar, dass ich in weiß heiraten wollte. Warum? Keine Ahnung. Ich find weiß ne schöne Farbe und es passt für mich zu einer Hochzeit. Doch wie klassisch, elegant oder „normal“ das kleine, große, kurze oder lange Weiße sein sollte, das stand noch in den Sternen. Ich fand super, dass Dan auch etwas weißes tragen wollte. Ein Anzug kam für ihn jedoch überhaupt nicht in Frage. Er hatte damals in Taiwan ein sehr schönes weißes Hemd im chinesischen Stil geschenkt bekommen und für ihn stand fest, dass er dieses tragen wollte. Die Aufgabe bestand also darin für ihn eine passende weiße Hose zu finden.

Vielleicht kann sich der ein oder andere von euch vorstellen: weiß ist nicht gleich weiß und ich weiß nicht wie viele Weißtöne es gibt. Jetzt weiß ich: es sind eine ganze Menge. 😀 Meine zukünftige Schwägerin hatte Gott sei Dank ein glückliches Online-Shopping-Händchen und so hatte ich nach ein paar Tagen gleich zwei Outfits, welche mir sehr gefielen und zwischen welchen ich mich entscheiden musste. Dans Hosenjagd war nicht ganz so erfolgreich. Doch natürlich musste er nicht nackig nach Kopenhagen fahren. 😉 Nach mehreren bestellten und leider nicht passenden Hosen, stellten wir fest, dass die Hose, in welcher er meditierte, den gleichen Weißton hatte wie das Shirt und somit war das Problem gelöst. Wir mussten uns kurz Gedanken machen, wie wichtig uns ein aufeinander abgestimmtes äußeres Erscheinungsbild ist oder ob es für uns in Ordnung geht, etwas zu tragen, was vom Stil so gar nicht zusammenpasst. Und ja, vielleicht gewinnen wir nicht unbedingt den Preis der am besten zusammengestellten Hochzeitsbekleidung, aber Dan war sehr glücklich mit seinem asiatischen Mix und ich mit meinem mit glitzernen Pallieten bestickten eher westlich anmutendem Kleid.

Jetzt hatten wir also alles zusammen und konnten fünf Monate nachdem Dan mir den Antrag gemacht hatte, unser Köfferchen für und nach Kopenhagen packen. Und ja, natürlich: es war perfekt. Ich durfte einen weiteren wundervollen Tag in meinem Leben erleben. Meinen Zustand würde ich als gefasst aufgeregt bezeichnen, falls es so etwas geben sollte… 😀 Ich war also nicht super nervös, doch die Momente vor dem Standesbeamten waren schon sehr kribbelig. Ich glaub 11:30 Uhr sollte es losgehen. Wir hatten ein klein wenig Verspätung, aber das ging völlig in Ordnung. Wir nutzen die Zeit um noch kräftig Fotos zu schießen. Hätte mein Vati sich nicht zum Fotografen des Tages erklärt, hätte ich euch heute keine Fotos zeigen können. Also hier auch noch einmal ein großes Dankeschön an meine Eltern!!! 😀

Das Rathaus in Kopenhagen ist sehr, sehr schön. Die Wände der zwei Trauungsräume sind mit Gemälden der dänischen Sagenwelt bemalt. Wir wurden im kleineren von den beiden getraut. Die Atmosphäre war sehr schön. Es war eher dunkel gehalten mit einer Art Leuchter über dem Trautisch. Anwesend waren meine Eltern, zwei sehr nette ältere Damen als Trauzeugen und Tobias, unser Standesbeamte. Die Trauung war in Englisch. Doch wir haben Tobias gefragt, ob er uns die alles entscheidende Frage, sowohl in Englisch als auch auf Deutsch für meine Eltern stellen kann. Und natürlich konnte er. 🙂 Nachdem ich mit Dan auch geklärt hatte, dass die englische Variante „I do“ für „Ja, ich will“ lautet, konnte es endlich losgehen. Und es war genau so wie wir uns es vorgestellt hatten. Tobias hat eine wundervolle Rede gehalten, an die ich mich leider nicht mehr erinnern kann, da ich vor Aufregung dann doch nichts abspeichern konnte. 😀 Er fragte uns DIE Frage, wir sagten zweimal „Ja“ und dann durften wir die Dokumente unterzeichnen. In der Tat haben wir den Kuss danach völlig verschwitzt bzw. hatte Tobias den Satz „Sie können die Braut jetzt küssen.“ irgendwie unterschlagen. Ich denke so in 15 Minuten waren wir durch und verheiratet. Und es ist nach wie vor ein wundervolles Gefühl. Auch fünf Monate später. Paradoxerweise hat sich eigentlich nichts verändert und irgendwie doch. Es hat Dan und mich auf einer anderen Ebene noch einmal näher zusammengebracht und fester aneinander geschweißt. 🙂

In Kopenhagen gibt es eine Sehenswürdigkeit, welcher der „Rundetaarn“, der Runde Turm, genannt wird. Er wurde Mitte des 17. Jh. fertiggestellt und steht in der Stadtmitte Kopenhagens. Diesen nun hatte ich mir nach der Trauung für ein paar Fotos ausgeguckt. Auch mein Vati war an dem Turm, in dessen Dachgeschoss sich ein kleines Observatorium befand – das wohl nun älteste Europas – interessiert. Die anderen beiden mussten einfach mit, protestierten aber auch nicht. 😀 Mich reizte unter anderem die 360° Aussicht, welche man auf die Stadt hat und dies in einer moderaten Höhe von 35 Metern. Weiterhin erreicht man das andere, obere Ende, in dem man einem spiralförmigen Gang erklimmt, welcher sich in siebeneinhalb Umdrehungen um die Turmmitte windet. Und dem nicht genug. Auch die Turmmitte ist nicht nur eine Turmmitte. Auf rund 25 Metern gibt es einen kleinen Gang hinein und wenn man sich auf die vorhandene Glasplatte stellt, steht man auf dem geographischen Nullpunkt Dänemarks. Von hier wurde in der Mitte des 18. Jh. das Land vermessen. Also viele coole Gründe dem Turm einen Besuch abzustatten und ein paar Fotos zu schießen. Das Wetter hat an dem Tag auch mitgespielt. Es vielen zwar ein paar Tropfen auf dem Weg dorthin und es gab auch die ein oder andere dickere jedoch weiße Wolke, doch grundsätzlich lachte fast den ganzen Tag die Sonne vom Himmel. Vom Turm ging es zum Mittagessen und dann fix ins Hotel zum Umziehen. Wir hatten noch Tickets für eine Kanalrundfahrt, welche eingelöst werden wollten. Vati sei Dank, wusste auch das ganze Boot, dass wir frisch verheiratet waren und so sammelten wir noch ein paar Glückwünsche von den anderen Bootsinsassen ein. 😀 Die Bootstour war super und auf jeden Fall zu empfehlen wenn ihr einmal nach Kopenhagen kommen solltet. Was ebenfalls auf keinen Fall fehlen sollte: ein Besuch der Kleinen Meerjungfrau. Ich mag die kleine Statue sehr und so wurde mir ein letzter Wunsch des Tages erfüllt: ein Bild am Hochzeitstag mit Dan und mir und der Kleinen Meerjungfrau. Und so spazierten wir noch durch die Stadt und durch eine Parkanlage bevor es dunkel wurde und der Tag sich seinem Ende zuneigte. Ein wie gesagt perfekter Tag, welcher den ersten Teil unserer Hochzeit darstellte.

Der zweite Teil folgte in Spanien und war nicht weniger wunderbar und aufregend. Hier folgte unsere kleine Feier mit oben genannten Gästen. Ein ganz toller und emotionaler Moment war das Zusammentreffen von Dan und seinem Vati. Im April 2015 hatte Dan die USA verlassen und seit dem seinen Vati auch nicht mehr live gesehen. Für mich war es natürlich sehr toll meinen Schwiegervati und seine Partnerin kennenzulernen. Beide sind unglaublich liebenswürdige Menschen, mit denen man viel Spaß haben kann. Auch Dans Schwester mit Ehemann und Kindern sind einfach nur super und ich schätze mich sehr glücklich, mit Dan solch eine tolle neue Familie hinzugewonnen zu haben. Doch bevor ich mein Brautkleid ein zweites Mal anziehen durfte, galt es noch ein paar Vorbereitungen zu treffen. Der 14. war ein Sonntag und ich hatte mir vorgenommen alle zum Mittagessen zu bekochen. Freitag war Markttag und hier galt es alles benötigte Obst und Gemüse einzukaufen. Samstag war schnippeln, vorbereiten und kochen angesagt mit tatkräftiger Unterstützung von meiner Schwägerin und der Partnerin von Dans Papa zauberten wir eine Tomaten-Paprika-Suppe, einen Quinoa-Salat, Hummus, Babaganoush, ein Linsencurry und ein Schokomousse. Bei 80% Vegetariern und 10% Veganern am Tisch also ein überwiegend veganes Menu. Keine Frage das alles super lecker war! 😀 Zu meinem Glück konnte ich mir Töpfe und Dosen für den Transport aus drei Haushalten zusammenleihen. Auch hier noch einmal ein riesengroßes Dankeschön an alle beteiligten Parteien! 🙂

Unsere Zeremonie hatten Dan und ich für den Abend angesetzt. Wir stiegen noch einmal in unsere Hochzeitstracht, Konstanze machte mir die Haare, wir stellten ein paar Teelichter auf, klebten den Fernseher mit Geschenkpapier ab und dann konnte es auch schon losgehen. Wir spielten ein Lied zur Einleitung. Konstanze hielt eine grandiose Rede inklusive selbst geschriebenem Gedicht. Wir zeigten das Video vom Standesamt. Dan und ich lasen uns unsere Ehegelübde vor, tauschten nun auch unsere Ringe und holten den Kuss nach, welchen in Kopenhagen untergegangen ist. Und dann war es auch schon vorbei – unsere kleine Zeremonie in kleinem Kreise. Und wie war das mit dem Ring? Ich, die in ihrem Leben vielleicht drei Ringe besessen hat und das als Teenagerin, also die letzten 20 Jahre nichts am Finger trug, bekam einen silbernen Ring mit einem Brillianten an den Finger gesteckt. Und ja, ich weiß nicht, ob ich es als Zeichen deuten soll, aber er passte und passt noch immer wie angegossen. Es war und ist auch noch ein wenig ungewoht, aber ich mag und trag ihn auf jeden Fall sehr gern. Dan hatte sich für einen schwarzen Ring aus Wolfram entschieden und ist auch sehr glücklich damit.

Und wie habe ich mich nun hinsichtlich meines Namens entschieden? Obwohl es noch einmal viel Papierkram und nicht billig war und auch das Besorgen mehrerer Dokumente nach sich zog – inklusive einer extra aus Amerika gesandten Geburtsurkunde von Dan und dessen Übersetzung ins Deutsche, habe ich mich entschieden Dans Namen anzunehmen. Ich bilde mir ein, dass es vielleicht von Vorteil sein könnte den selben Familiennamen zu haben, wenn man soviel unterwegs ist wie wir. Und so ist es einfach eindeutig, dass wir zusammengehören und Ehepartner sind. Und ja, es lässt sich ebenso nicht von der Hand weisen: Nancy Kennedy klingt gar nicht mal so schlecht. 😀

Uns zu guter letzt, bevor ich euch in die Fotos entlasse, die Beantwortung einer Frage, welche mir sehr häufig gestellt wird: Nein, wir haben bis jetzt keinerlei Vorteile durch unsere Heirat. Dan muss nach wie vor alle drei Monate den Schengenraum verlassen und darf sich nur 90 Tage innerhalb von 180 Tagen in den Ländern des Schengenraumes aufhalten. Nur wenn ich wieder zurück nach Deutschland gehen sollte inklusive Job, Wohnung und aller dazugehörigen Versicherungen, könnten wir eine permanente Aufenthaltserlaubnis beantragen. Das kommt für uns jedoch im Moment nicht in Frage. Hinsichtlich eines Ehefrauenvisums für Amerika wissen wir noch nicht, ob sich der ganze Aufwand inklusive der zu investierenden rund 1500 Dollar lohnt. Hier überlegen wir noch und haben noch keine definitive Entscheidung gefällt.

So, ich hatte zwar einen weiteren Marokkobericht angekündigt, doch mal eben fix diesen Beitrag dazwischen geschoben. Ich würde aber gerne auch noch ein paar Bilder zu Marokko loswerden, daher wird hierzu auch noch etwas veröffentlicht werden. Aber nun erst einmal die Bilder aus Kopenhagen und Spanien. Achtung, Achtung: Es sind natürlich Hochzeitsbilder und daher vor allem Dan und ich viel darauf zu sehen. Und auch hinsichtlich unserer Posen waren wir nicht sonderlich kreativ, aber so ist das und für uns passt’s. 😀 Weiterhin ist dies der erste Beitrag, in dem kein einziges der gezeigten Bilder von mir ist. Fotografen hier sind mein Vati und Dan. Habt Spaß!

Ich sende hiermit auch noch einmal ganz viel Energie, Kraft und Liebe an diejenigen unter euch, welche mit Grippe, Magen-Darm-Geschichten oder weiteren Erkrankungen in Deutschland und im Moment auch in Indien das Bett hüten müssen. Werdet alle schnell wieder gesund!

Dicke Umarmung an alle. Bis die Tage keine Frage. 😀
Eure Nancy

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