Birma, Burma, Myanmar? – Auf jeden Fall das Goldene Land. – 1. Teil

Da tauchte ein goldenes Mysterium am Horizont auf, ein funkelndes, großartiges Wunder, das in der Sonne glänzte… „Das ist die alte Shwedagon Pagode“, sagte mein Gefährte. Und die goldene Kuppel sagte zu mir: „Das hier ist Birma, ein Land, das anders ist als alle anderen, die du kennst.“

Rudyard Kipling, Briefe aus dem Orient, 1898

In diesem Sinne bewegte ich mich in einem Land, welches auch 100 Jahre später womöglich noch anders ist „als alle anderen“. Noch kenne ich nicht so viele asiatische Länder, aber Myanmar gefällt mir sehr und es hat eine sehr eigene Atmosphäre.

Ich denke nicht, dass ich das Erlebte der letzten vier Wochen in einen Beitrag packen kann, daher splitte ich meine Myanmar-Reise in zwei oder sogar drei Teile. Bis jetzt bedeutet Mynamar für mich:

Pagoden,Tempel und Klosteranlagen wo man nur hinschaut, tiefe Verbundenheit zum Buddhismus, Ahnenkult und Geisterglaube, ehemalige Königsstätte, Ursprünglichkeit kleiner Bergdörfer, Vielvölkerstaat, junge aufstrebende Kunstszene, welche sich Schritt für Schritt von einer Zensur des ehemaligen Militärregimes löst, grundsätzlich ein Land, welches sich nach jahrzehntelangem Chaos und Mißwirtschaft Aufzustellen versucht – polititisch, wirtschaftlich und kulturell, ein Land welches China für sich entdeckt hat – leider nicht im positiven Sinne, noch vorhandene Unruhen vor allem im Nordosten – gesperrte Gebiete für Ausländer, Wassermelonenfelder, holprige Busfahrten über grüne wunderschöne Gebirge, aber auch nigel nagel neu gebaute fast leere Autobahnen, die freundlichsten, hilfbereitesten und entspanntesten Menschen, die mir je begegnet sind, Erdberen im Februar, Reisnudeln und Reis mit Gemüse im täglichen Wechsel, meine ersten Regentage nach Monaten fast nur Sonnenschein, essen mit Stäbchen, traditionelle sehr farbenfrohe Wickelröcke und Thanaka Paste im Gesicht.

Aber zurück zum Anfang:

Das ich gut in Yangon gelandet war, hatte ich ja bereits im Bangkok Beitrag erwähnt. In der größten Metropole Myanmars mit etwas über 5 Mio Einwohnern war ich fünf Tage. Gemäß Chroniken soll Rangoon, wie es die Briten später nannten, vor mehr als 2000 Jahren gegründet worden sein. Bis 2006 war es Hauptstadt und Regierungssitz. Die Orientierung in der Stadt ist relativ einfach, da die Straßen wie ein Schachbrett angelegt und durchnummeriert sind. Was ich gar nicht mehr so gewohnt war: Es gibt sogar an fast jeder Straße ein Straßenschild. Ein Stadtplan macht hier also durchaus wieder Sinn. 😀
Ganz soviel Sightseeing habe ich in den fünf Tagen nicht geschafft. Klingt zwar komisch, aber man muss doch nebenbei viel organisieren. Aber natürlich bin ich etwas durch die Stadt und Straßen geschlendert, war in einem Park mit See, auf einem Markt und habe mir die berühmteste Sehenswürdigkeit angeschaut. Ich habe meinen Blog geschrieben, ich hatte zu klären, was mein nächstes Ziel sein wird, ich musste mir ein neues Handy kaufen, da das aus Thailand nach gut einer Woche seinen Geist aufgegeben hatte, ich war auf einer Kunstausstellung und eine ganze Nacht tanzen, was natürlich eine Ruhephase am nächsten Morgen einforderte. 😀

Das bedeutenste Heiligtum des Landes und Pilgerstätte für Buddhisten aus aller Welt ist die Shwedagon Pagode (siehe Titelbild). Wann genau sie gebaut worden ist, läßt sich nicht mehr ermitteln. Die Spanne reicht vom 5. Jh. v.Chr. bis zum 10 Jh. n.Chr. Und in der Tat ist diese Pagode sehr beeindruckend. Sie ist 100 m hoch und bei einem Gesamtgewicht von 149 t schlagen 9,75 t Gold zu Buche. Ich bewege mich im „Land des Goldes“, daher wundert es nicht, dass jedes dritte Restaurant, Hotel oder Busunternehmen die Bezeichnung „Shwe“ im Namen hat, das birmanische Wort für Gold.

Essenstechnisch war ich in Myanmar sehr glücklich. Ich habe täglich so viel Obst gegessen wie ich vertragen konnte. Weiterhin fand ich Reisnudeln, normale Nudeln und Reis mit Gemüse an fast jeder Ecke. Als Suppe, Salat oder Hauptgericht. Noch kann ich sowohl Nudeln als auch Reis täglich essen. 🙂 Ich weiß nicht mit welchen Ölen und Gewürzen die Gerichte hier abgeschmeckt werden, aber es schmeckt alles sehr gut. Ich gehe davon aus, dass es nichts besonderes ist, aber einfach ist meistens am Besten. Zumindest für mich. Zumindest was das Essen angeht. 😉

Auch in Mynamar kann man sehr scharf essen. Ja, sehr scharf. Da mich eine handvoll neugieriger und erwartungsvoller birmanischer Augenpaare anschauten, musste ich da wohl durch… 🙂 Und ich hatte nach Nepal meine zweite Avocado seit Verlassen Deutschlands. Und das in Form eines Avocadosaftes. Yummy! Immer wenn ich erwähne, dass ich Vegetarierin bin, werde ich sofort gefragt, ob ich auch Eier essen kann. Sehr sympathisch! Eier mag ich nämlich nicht.

Und sehr spannend: Ich habe einen Salat aus fermentierten grünen Teeblättern probiert. Hartcore Herstellungsvariante beinhaltet ein Aufkochen der Blätter, Aufbewahrung in einem Bambusstab und Vergraben der Stäbe für ein halbes Jahr unter der Erde. Jup, richtig gelesen. Die Blätter sind verzehrfertig, sobald sie wieder ausgegraben werden. Keine Ahnung ob ich diese Variante oder die abgeschwächte für Ausländer genießbare Form bekommen hatte, aber auf jeden Fall wird der Salat mit getrockneten Garnelen, einer Menge Knoblauch, Ingwer und Ölen serviert. Bei mir waren noch Erdnüsse dabei. Joa…., was soll ich sagen, war interessant, auf jeden Fall nicht verkehrt. 🙂 Nicht-Vegetarier werden hier natürlich auch sehr glücklich. Fleisch, Fisch, Meeresgetier alles vorhanden. Frühstück isst man entweder in einem kleinen Straßenlokal oder im Hotel. Im Hotel glauben die Birmanen uns mit Eierkuchen, Toast und Marmelade glücklich zu machen. Es lebe der Zuckerkonsum! 😀 Da kann es schon mal passieren, dass ich eher zur traditionellen Nudelsuppe am Morgen greife als zur viel zu süßen Variante. 🙂 Grundsätzlich ist das Essen ein Mix aus chinesischer, thai und indischer Küche, je nachdem in welchem Landestteil man sich gerade aufhält Und ganz wichtig, fritiert muss es sein! 🙂 Reis, Reisnudeln und verschiedene Currys, Samosas, Frühlingsrollen, Bohnen und Linsen stehen folglich hoch im Kurs.

Apropo Kurs. In Myanmar war ich mit der vierten Währung innerhalb weniger Wochen konfroniert. Wen es interessiert die Umrechnungskurse sehen im Moment wie folgt aus:

1 Euro = 76 Indische Rupie (Wow, nicht fair, vor einem Monat war er noch schlechter 😉 )
1 Euro = 120 Nepalesische Rupie
1 Euro = 40 Thailändische Baht und nun
1 Euro = 1300 Myanmarischer Kyat. (gesprochen: Tschat)

Es war ja schon in Indien nicht ohne die Zahl 5.000 in den Bankautomaten zu tippen, aber hier in Myanmar eben mal so 200.00 Kyat abzuheben, ist am Anfang etwas gruselig. 😉 Grundsätzlich kann man sagen, dass Übernachtungen relativ teuer sind. Meine Rechnungen im Restaurant und den Nachtmärkten beliefen sich jedoch in der Regel auf 1500 bis 4500 Kyat. Also mehr als annehmbar. (Non-Veg ist teurer)

Mein Ziel nach Yangon befand sich im Nordwesten das Landes, im sogenannten Rakhine State. Nach holprigen 22 Stunden war ich in Mrauk-U (gesprochen Mrja-U) angekommen. Wieder gehörte ich anscheinend zu den glücklicheren Erdmenschen. Ein Päarchen, welches eins oder zwei Tage nach mir gefahren ist, benötigte auf Grund eines Unfalls auf der Streckt etwa 30 Stunden. So etwas wie Ausweichsstraßen gibt es nicht. Wenn man steht, dann steht man.

Ebenso sollte man weder sich noch andere, geschweige denn den Busfahrer, fragen, wann man sein Ziel erreicht. Man kommt an, wenn man ankommt. So einfach ist das. Und dann passiert es auch mal, dass man 5:30 Uhr morgens in absoluter Dunkelheit an einem „Busbahnhof“ fast im Nirgendwo landet. Auch für Mrauk-U hatte ich keine Unterkunft im Voraus gebucht. Was sich dieses Mal jedoch als etwas tricky herausstellte. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass in diesem kleinen Ort eine etwas größere Konferenz stattfindet. Zum Glück hatte mich ein sehr netter Scooter-Fahrer am Busbahnhof aufgegabelt, welcher, natürlich gegen Bezahlung, damit einverstanden war, mit mir gegen sechs Uhr morgens an diverse Hostel-, Hotel- und Guesthouse-Türen zu klopfen und die Angestellten zu wecken. Es war zumindest sehr praktisch jemanden in Landessprache dabei zu haben. 🙂 Ich wüßte nicht, was ich gemacht hätte, wenn die Achte oder Neunte Unterkunft, welche wir angesteuert haben, auch Nein gesagt hätte. Dann wäre es mit Sicherheit um einiges teurer für mich geworden. So bin ich für 24.000 Kyat pro Nacht (ca. 17 Euro) in einem wirklich sehr schönen Resort für drei Nächte untergekommen. Jaja, mein Glücksplanet verfolgt mich noch immer gnadenlos. 😀

Busfahren in Myanmar kann sehr amüsant sein. Die Busse mit denen ich bisher unterwegs war, waren alle mit einem Fernseher ausgestattet auf dem sowohl lustige als auch ernste Filme oder Musikvideos gezeigt worden. An witzigen Stellen haben die Birmanen keine Hemmungen lauthals zu lachen. Sehr sympathisch. 🙂 Ich durfte aber auch einen Film miterleben, in dem fast ausschließlich diskutiert und sich angeschrien wurde. Der gehörte dann eher zur anstrengenden Kategorie. 😉 Vor allem Mimik spielt hier eine sehr große Rolle. Auf Grund reduzierter Kulisse wird die Geschichte und die Emotionen über Stimme und Gesichtsausdruck transportiert. In den Musikvideos ging es vor allem um unglückliche Liebe. Häufig ist das Thema eine Mädchen mag zwei Jungs gleichermaßen gern, kann sich jedoch nicht entscheiden oder das Mädel wird verlassen. Sehr dramatisch, sehr dramatisch. 😉 Das ganze Set-up hat mich an unsere 90er erinnert.

Ansonsten kauen auch die Birmanen fleißig Betelnuss, welche entweder die Busfahrt über nach und nach aus dem Fenster gespuckt, in einer Tüte oder sehr kreative Variante Nummer drei, in einer transparenten Flasche landet. 😀 An das Spuckgeräuch habe ich mich längst gewöhnt. Das Gemenge in der Flasche sah nur sehr interessant aus. 😀 Weiterhin hat keiner irgendwelche Berühungsängste. Auf der Fahrt nach Mrauk-U hatte ich den Kopf meiner Nachbarin auf der Schulter. Und alle meine Nachbarn, auch die ältere Herrschaften, hatten bis jetzt immer die Füße auf dem Sitz oder saßen im halben Schneidersitz, so dass ich auf der Fahrt nach Bagan mal einen Fuß, mal ein Knie an meinem Oberschenkel oder an der Hüfte kleben hatte. 😀 War aber alles nicht unangenehm und wird immer mit einem breitem, sehr warmen Grinsen kommentiert – sowohl von Seiten meines Nachbarn als auch von meiner Seite. 🙂 Die Straßenbeschaffenheit finde ich generell nicht verkehrt. Meine Latte hierfür liegt aber auch nicht gerade sehr hoch, um nicht zu sagen sehr tief. Hier hat man alles, von Schotterpiste bis Asphalt, wenn dieser generell auch zielich mitgenommen und durchlöchert ist. Anders als in Nepal gibt es hier jedoch Leitplanken auf der risikoreicheren Seite der Straße. Auf der anderen Seite, derjenigen des Felsens, wird auch hier jeder Millimeter gnadenlos herausgefordert. 🙂 Trotz Rechtsverkehr sitzen ganz viele Busfahrer auch auf der rechten, eigentlich verkehrten, Seite. Das macht vor allem Überholungsmanöver auf Serpentinen und vor Kurven oder Hügeln sehr spannend, da der Fahrer den entgegenkommenden Verkehr erst sieht, wenn sich der Bus komplett auf der Seite mit dem entgegenkommenden Verkehr befindet. Lösung: Es gibt einen Co-Piloten, welcher, wenn er nicht gerade lauthals mitsingt, womöglich den Fahrer eine handvoll Hinweise gibt, ob er zum Überholungsmanöver ansetzten sollte oder eher nicht. Ich mein, ich kann kein birmanisch, aber das wäre jetzt mal meine logische Annahme. 😀

Ein letzter Gedanke zum Thema Busfahren: In den 22 Stunden nach MRauk-U musste ich und alle anderen fünf oder sechs Mal unseren Pass zeigen. Ein Hinweis darauf, dass das Land noch immer sehr unstabil ist. Egal zu welcher Uhrzeit, jeder musste den Bus verlassen, Beamte/Polizei überprüften vereinzelt Gepäckstücke, kontrollierten den Bus und anschließend konnte nur derjenige wieder einsteigen, welcher vorher seinen Pass abgegeben und namentlich aufgerufen wurde. Grundsätzlich hat man als Europäer hier den Ausländerbonus. Es wurde sich also gesondert um mich bemüht und ich hatte nie das Gefühl einer angespannten Situation.

Aber zurück nach Mrauk-U. Warum habe ich mich gerade für diese Richtung entschieden? Diese Richtung heißt in den Nordwesten des Landes, in den sogenannten Rakhine-State. Nachdem ich ehrlich gesagt etwas verloren war in der Unmenge an möglichen Reisezielen, kam mir eine kleine Kunstausstellung birmanischer Künstler sehr gelegen. Vor allem die Bilder mit dem Thema Mrauk-U haben mir sehr gefallen und nachdem mir der Künstler ans Herz gelegt hatte, dort sei es sehr schön, hatte ich den Wink mit dem Zaunpfahl angenommen und mich für diesen Ort als meinen ersten Anlaufpunkt entschieden. Weiterhin hatte er mir den Namen und die Telefonnummer des dort lebenden Künstlers sowie seiner kleinen Galerie gegeben. Außerdem ist das kleine Örtchen noch nicht so gut an das Verkehrsnetz angeschlossen. Ein fast sicheres Zeichen dafür, dass sich noch nicht so viele Touristen hierhin verirren. Was wiederum ein deutliches Zeichen dafür ist, dass ich dahin wollte. ;-D

Und ich habe es nicht bereut. Dort tickten die Uhren noch im Zeitlupentempo. Und ich tickte lustig mit. Nicht ganz so langsam, aber schon relativ entspannt. Mrauk-U ist die untergegangene Hauptstadt des letzten Rakhine Königreiches. Gegründet Mitte des 15. Jh. war es für ca. 350 Jahre Zentrum für Kunst, Kultur und Handel, welcher bis nach Europa reichte. Als in den Zwanziger Jahren des 19. Jh. die Briten den Verwaltungssitz in das nicht weit entfernte Sittwe verlegten, verlor Mrauk U sehr schnell an Bedeutung. Auch heute noch dem früheren Namen Dhanyawaddy – „das Land mit viel Reis“ – treu, wird hier vor allem Reis angebaut. Da ich zur Trockenzeit da war, wurden die Felder im Moment nicht bewirtschaftet und lagen brach. Das Wetter war sehr warm bis heiß. In der Mittagszeit habe ich mir immer ein schattiges Plätzchen gesucht. Touristen treibt es vor allem wegen der rund 500 Jahre alten Tempel in das verschlafene Örtchen.

Diese habe ich mir natürlich auch angesehen. In dem Haupttempel findet man, wie eigentlich überall, einen sitzenden Buddha in der sogenannten Bhumisparsa Haltung, das heißt die rechte Hand berührt den Boden. Sehr ungewöhnlich ist die moderne bunt blinkende Lichtanlage am Kopf des Buddhas. 1000 Künstler sollen den Tempel innerhalb eines Jahres errichtet haben. Es sollen sich 80.000 Bildnisse des Erleuchteten darin befinden. Joa, es sind viele…..

Damit ihr eine Idee für die Sprache bekommt, hier ein paar Namen der Tempel: Shittaungh, Htukkant Thein, Laymyethna, Andaw, Ratanabon, Ratana Hmankeen, Laung Bwann Brauk, Sakyamanaung und Mong Khong Shwegu. Könige hießen unter anderem: Mong Saw Mon, Mong Ba Gree, Mong Phalaung, Min Khamong, Mong Ran Aung, Thiri Thudham Ma Raza, Sandathudamma. Für uns zum Teil kaum aussprechbar. Ich habe fast drei Tage gebraucht um mir die Langform von „Danke“ einzuprägen. „Hallo/Guten Tag“ heißt Minga-la-ba, „Danke“ in Kurzform Tsche-su-ba und in Langform Tsche-su-tom-ba-rä. Birmanisch ist eine Tonsprache, das heißt die Vokale kommen in vier unterschiedlichen Lauten vor. Diese Varianten des theoretisch ein und desselben Vokals sind für unsere Ohren kaum zu unterscheiden. In unserer Sprache spielt vor allem die länge des Vokals eine Rolle. Aus unserem kurzen „i“ in „Schiff“ wird ein langes in „schief“. Im birmanischen spielt zusätzlich der Stimmansatz und die Intensität eine Rolle. Die Schrift mit ihren Kringeln und Kreissegmenten sieht sehr interessant aus. An Satzzeichen wird auch gespart. Lediglich zwei senkrechte Striche markieren das Satzende.

Drei volle Tage in Mrauk-U sind völlig ausreichend. Als Alleinreisende ohne Jemanden Vorort zu kennen, kann die Zeit in solch einem kleinen friedlichen Ort auch schon einmal lang werden. Bereits am zweiten Tag wurde ich etwas unruhig und fühlte mich etwas verloren. Ich hatte genug Tempel gesehen, bin zum Teil auch schon durch die Dörfer gestreift und hatte den Künster in seiner Gallerie besucht. Aber ein voller Tag „stand mir noch bevor“. Und dieser dritte Tag mutierte sehr unerwartet zum fast perfekten Tag. Bereits am Abend zuvor freundete ich mich mit dem jungen Birmanen an, welcher im Hotel an der Rezeption arbeitete und heldenhafterweise den Frosch aus meinem Badezimmer entfernte. Er sowie alle anderen Angestellten sprachen gutes Englisch. Darunter ein ehemaliger Geografielehrer, welcher mit einem Male seinen Kartenschatz auspackte und mir alle Teilstaaten Myanmars zeigte. Weiterhin beantworteten sie unglaublich geduldig all meine Fragen. 🙂

Tag Nummer drei startete mit einem echt tollen Sonnenaufgang. Gleich neben dem Resort war ein kleiner Berg, den man in gut 10 Minuten erklimmen konnte. Fast eine Stunde genoss ich die Aussicht und den aufsteigenden Nebel aus dem Tal. Der Tag startete also schon mit einem Hightlight. 🙂 Nach dem Frühstück fuhr mich Nyi Nyi, mein neuer birmanischer Freund ;-), in sein Dorf. Ich hatte mir Stoff für einen Longyi und das dazugehörige Oberteil gekauft, welches geschneidert werden musste. Ich war also dort angekommen, wo ich mich sehr wohlfühle und wo eine Reise anfängt interessant zu werden – bei der Vorort lebenden Bevölkerung. Er brachte mich zu einer Schneiderin, zeigte mir den kleinen Dorfmarkt, lokale Früchte, wir besorgten die bekannte Thanaka-Paste fürs Gesicht und wir waren bei einer Familie, welche für den Ort die Hauptproduktion des Palmweines übernahm. Ohne ihn, hätte ich diese Einblicke nicht bekommen. Anschließend fuhr er mich zu einem Kloster, welches Ausgangspunkt für meinen Spaziergang in die Dörfer wurde. Ziemlich gut gelaunt und mit meinem Fotoapparat bewaffnet versuchte ich ein wenig das Leben der Bevölkerung festzuhalten. Als ich mich gegen Nachmittag ziemlich lauter Musik und einem bunt geschmückten Straßenabschnitt näherte, wurde ich sofort von einer lachenden und tanzenden Frau am Arm gepackt, zu einem der Tische geführt und mit Nudelsuppe und Kuchen versorgt. Hier fand eine Geburtstagsfeier für einen Einjährigen statt. Sehr witzig. Ich war wieder mittendrin. 🙂

Aber warum war der Tag nur fast perfekt? Mrauk- U ist weiterhin bekannt für seine Wasserträgerinnen. Noch hatte ich es nicht geschafft eine solche in Aktion zu fotografieren. Und als ich schließlich die Möglichkeit hatte die Frauen mit den silber glänzenden Gefäßen festzuhalten, blinkte das Batteriezeichen in meinem Apparat rot auf. Natürlich hatte ich Ersatz mit, aber auch dieser war bereits leer. Es sollte also mein Schicksal sein, ohne solch ein Bild Mrauk-U zu verlassen. Etwas traurig, aber leider nicht mehr zu ändern. Aufgemuntert hatte mich dann noch, dass mir mein Longyi (Wickelrock) und die Bluse wie angegossen passten. Weiterhin hat mich der Cousin von Nyi Nyi im Dorf abgepasst und ist mit mir zusammen zu einem richtig schönen Platz für den Sonnenuntergang gegangen. Wir haben über eine Stunde wirklich sehr nett miteinander geplauscht. Also von Sonnenaufgang bis –untergang ein sehr gelungener Tag. 🙂

Am nächsten Tag hieß es auf zum nächsten Ziel. Meine Hummeln wollten weiter. Mal schauen, ob ich noch einmal hierhin zurückkehre. Es gibt auf jeden Fall noch mehr an diesem Ort zu entdecken, vor allem wenn man mit dem Scooter noch tiefer ins Land fährt. Ich bin sehr froh das mich meine Reise dieses Jahr hierher führte. Der Grundstein für den Bau eines Flughafens wurde bereits gelegt. In ein oder zwei Jahren wird womöglich das Örtchen nicht mehr dasselbe sein.

Nyi Nyi hatte mich netterweise noch mit dem Scooter zum Abfahrtsort des Buses gebracht. Mein nächstes Ziel hieß Bagan. Mich erwartete ein einzigartiges Tempelareal.

Meine Reise dorthin, meine Tage in den Bergen und in der „Stadt der Blumen“ ist Thema meines nächstes Postes.

Leider kann ich im Moment keine Fotos hochladen. Die Internetverbindung ist einfach zu schlecht. Ich werde auf jeden Fall Bilder nachreichen sobald mir möglich!

Aktuell befinde ich mich wieder in Thailand. Nach vier Tagen in Bangkok, bin ich im Moment im Norden des Landes unterwegs und nach wie vor ist alles in Ordnung. Ich bin munter, glücklich und gesund. 😀

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