Taiwan – Ilha formosa – die schöne Insel

Hallo ihr Lieben, ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Man fängt glaube ich immer mit der schlechten an, oder? Also die schlechte ist: ich bin super müde, es ist gleich Mitternacht und ich habe es nicht geschafft die Fotos für diesen Beitrag auszuwählen. Es sind einfach zu viele für die mir zur Verfügung stehende Zeit. Die gute ist: der Text ist fertig.

Ich hatte 2,5 Tage um die letzten sechs Wochen mal eben schnell zusammenzufassen. Ich verrate euch lieber nicht wie lange ich normalerweise für das Schreiben der Texte und Sortieren der Bilder benötige… Das heißt, Jungs und Mädels: ich war ein wenig im Schreibstress. Für euch bedeutet das Augen fest zukneifen bei Schreibfehlern und komisch klingenden Sätzen. Ich konnte den Text nur 10 Mal Korrekturlesen und nicht wie sonst 110 Mal. 😉 Warum dieses Mal der Stress? Erklärung kommt zum Schluß.

Und dann geht es auch schon los. Wie gesagt ist mein Flieger in Hualien an der Ostküste Taiwans gelandet. Obwohl er nicht auf der Anzeigetafel stand (was komisch war), konnte ich ohne Probleme nach zwei kalten Stunden Wartezeit am Flughafen um 3 Uhr morgens einchecken und mein Gepäck aufgeben. Als ich den Securitybereich betreten wollte, meinte der nette Flughafenbeamte der Flug wurde gestrichen, ich solle zurück zur Airline gehen und noch einmal nachfragen. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich gerade von dort komme und vor fünf Minuten problemlos meinen Boarding Pass erhalten hatte. Aber leider war sein Englisch etwas begrenzt und ich dachte sei‘s drum, geh ich halt wieder zurück, die Fluggesellschaft muss es ja wissen. Mittlerweile hatte ich eine junge Anfang 20-jährige Deutsche neben mir, welche ein soziales Jahr in Hong Kong absolivert und etwas panisch war, der Flug würde wirklich nicht stattfinden. Ich meinte nur: keine Panik, wird schon alles gut werden. Und so war es dann auch. Wir hoben ordnungsgemäß ab. Warum die ganze Verwirrung? Das Erdbeben eine Woche zuvor, vielleicht habt ihr davon gehört, hat den Flugplan etwas durcheinander gewirbelt, daher standen wir auch nicht an der Tafel, was den Beamten schlußfolgern ließ, dass es den Flug nicht gibt. Da ich seit gut 2,5 Jahren keinerlei Nachrichten mehr verfolge, ist mir natürlich auch die Information von dem Beben durch die Lappen gegangen. Kurz vor der Flugbuchung habe ich von einem Bekannten, welcher in Taipei wohnt, davon gehört. Ich habe eine Sekunde überlegt, ob ich wirklich buchen sollte, hab es dann aber getan. Ein paar Tage zuvor hat sich in Hong Kong ein schwerer Busfall ereignet, vielleicht habt ihr auch davon etwas mitbekommen, war wohl auch in den deutschen Nachrichten. Da ich jedoch so ziemlich verstanden habe, dass es keinerlei Garantien oder Sicherheiten in meinem Leben gibt und es heutzutage schon fast keine Rolle mehr spielt, auf welchen Teil des Planeten man sich befindet, macht mich das um einiges entspannter, freier und unabhängiger in meinen Entscheidungen. Und daher habe ich den Flug gebucht. Furchtlos wie ich bin. ;-D In den zwei Wochen, in denen ich in Hualien war, hat die Erde vier oder fünf Mal gebebt. Nur kleine Erschütterungen, welche keinen Schaden angerichtet haben. Das ist hier Normalzustand und gehört für die Einwohner zum täglichen Leben. Kleinere Erdbeben hatte ich auch schon in Delhi erlebt. Diese hier sind jedoch noch ein ganz klein wenig mehr zu spüren. Alles in allem konnte ich an mir ganz unterschiedliche Gefühle während eines Bebens beobachten. Sie reichten von einem fasziniertem Erstaunen bis zum Gefühl des hilflosen Ausgeliefertsein. Aber bevor ich mir darüber Gedanken machen konnte, waren sie auch schon wieder vorbei. 🙂

Ich bin froh, dass ich genau fünf von den sechs Wochen in denen ich hier war, keine Übernachtungskosten und fast keine Lebenserhaltungskosten hatte. Taiwan ist teuer. Die Preise sind mit denen in Deutschland vergleichbar. Nach Hong Kong war ich also auch hier weit von dem Preisgefüge entfernt, welches ich aus den anderen südostasiatischen Ländern gewohnt war. Aber wie gesagt, das Glück war auf meiner Seite und ich hatte ziemlich schnell die Zusagen für zwei Workaways erhalten. Sogar für genau die zwei, welche auf meiner Favoritenliste ganz oben standen. Nach der stürmischen Zeit in Hong Kong glätteten sich die Wellen in meinem Lebensfluss also wieder ein wenig. 😀

In Hualien war ich 14 Tage und in dieser Zeit habe ich in einem Hostel ausgeholfen. Deal war 4 Stunden Arbeit und 1,50 Euro Essenspauschale pro Tag. Für 50 Neutaiwanesiche Dollar bekommt man keine Mahlzeit, aber es war besser als nichts. Mein Job war Rezeptionsdienst, das heißt Überprüfen der Buchungen, Einchecken der neuen Gäste, deren Fragen beantworten und Informationen weitergeben. Doch so viele Gäste waren es nicht. Vor allem nicht in der ersten Woche. Nach dem Beben wollte keiner mehr herkommen. Was soll ich sagen: ich genoss die Ruhe und den Frieden. Es war perfekt und genau das was ich brauchte. Ich war sehr glücklich dort zu sein. Ich hatte tolle Gespräche und Teestunden mit der Besitzerin des Hostels, mit der ich mich sehr gut verstand, checkte den ein oder anderen Gast ein, welcher sich doch hierher traute und organisierte mich. Ich entspannte mich und mein etwas angeschlagenes Nervenkostüm und las ein bisschen zu Taiwan. Die Entscheidung herzukommen fiel Schlag auf Schlag. Ich hatte nicht einmal die winzigste Idee von diesem Land. Doch ich fühlte mich vom ersten Tag an willkommen. Jeder war unglaublich gastfreundlich und wollte immer weiterhelfen.

Die Anspannung nach dem Beben, welche sich in geschlossenen oder ungewöhnlich früh schließenden Restaurants niederschlug, wich nach und nach aus der Stadt und so zog auch das Geschäft nach dem chinesischen Neujahr, welches vier bis fünf Tage gefeiert wird, wieder etwas an und ich hatte etwas mehr zu tun. Für eine kurze Zeit waren wir sogar fast ausgebucht. Doch an den Buchungen war abzusehen, dass das Geschäft wieder ruhiger werden würde und Jasmine entschied, das Hostel für ein paar Wochen zu schließen und für ein paar Tage geschäftlichen nach Hong Kong zu fliegen. Das grandiose: wir drei Freiwilligen konnten bleiben bis sie fliegt und das war exakt der Zeitraum den ich bleiben wollte. Ich hatte also das Glück in einem fast leeren Hostel zu wohnen und meine Aufgabe war Bettwäsche zu waschen und zusammenzulegen. Und dann können wir noch einen draufsetzen: Jasmine entschied für zwei Tage wegzufahren und auch Jack und Mey waren nicht mehr da und so teilten sich ein Langzeitbewohner und ich die Verantwortung für ein Hostel, zwei Hunde und einen Gast. Ist das nicht abgefahren? Ich würd mal sagen, das zeigt ein wenig, dass ich doch gar nicht so verkehrt geraten war und irgendwie organisiert, vertrauenswürdig und verantwortungsbewußt auf andere Menschen wirke. 😀

Soweit meine Hostelgeschichte. Was habe ich in Hualien so schönes unternommen? Ohne es vorher gewusst zu haben, befindet sich eines der absoluten Highlights von Taiwan hier: der Taroko Nationalpark mit der Taroko Schlucht. Und nun kommt die Erklärung  warum es hier bzw. in Taiwan so viele Erdbeben gibt und warum ich seit Thailand nicht nur mit Muscheln in meinem Rucksack, sondern nun auch noch mit Steinen herumreise. 😀

Mein Geologiestudium liegt schon ein paar Jährchen zurück, aber ich versuchs trotzdem mal zu erklären und kann nur hoffen, das ich nicht um Weiten daneben liege. Falls doch, bitte ich diejenigen, welche Ahnung haben (Prof. Kukla [Ich hoffe Ihnen geht es besser!?], Frank) mich zu korrigieren. ;-D

Erst einmal kurz ein paar Worte zur Geographie der Insel. Wenn ihr euch das Satelittenbild Taiwans auf GoogleMaps anschaut, seht ihr das die Insel zu 2/3 aus einer Bergkette besteht. Dieses Gebirge zieht sich vom Norden nach Süden und trennt fast unüberwindbar den Osten vom Westen. Mehr als 200 Gipfel sind über 3000 m hoch. Der höchste Berg fast 4000 m. Die 23 Millionen Einwohner Taiwans leben also überwiegend in den Ebenen, Becken und Hochplateaus im Westen und Norden des Landes. Wie ihr euch vielleicht oder sicher vorstellen könnt, entsteht solch ein durchschnittlich 3000 Meter hohes Gebirge nicht geräuschlos. Was übrigens für all unsere Berge gilt, einschließlich unsere Alpen, der Anden in Chile oder der Rocky Mountains in den USA. Viele von uns wollen in den Bergen wandern und Gipfel erklimmen und denken die Natur steht still und unsere Erde sah schon immer so aus. Aber ich würd mal sagen Pustekuchen und nichts da mit still. Was wir in Taroko sehen können ist Meeresboden. Ja N., ich höre dich, wir waren bei der Entstehung vor Millionen von Jahren nicht dabei. Aber lassen wir den Wissenschaftlern ihre Leidenschaft und in ihrem Glauben, eine Idee von unserer Erde mit all ihren Vorgängen entwickelt zu haben. Immerhin haben sie viel Geld in ihre Forschungsprojekte gesteckt, sich etliche Nächte um die Ohren geschlagen und sind froh um ihre gefundenen Erkenntnisse, geschriebenen Artikel und Bücher. 🙂

Also den naturwissenschaftlichen Modellen folgend, sehen wir ehemaligen Meeresboden nun in einigen hundert Metern obenhalb des Meeresspiegels. Wie das? Über einen Zeitraum von Milllionen von Jahren wurden ozeanische Ablagerungen, kalkhaltige Sedimente, nach und nach zu Kalkstein zusammengepresst. Schicht um Schicht kam obendrauf. Enorme Druckverhältnisse und Hitze wandelten diesen Kalkstein im Prozess der Metamorphose in Marmor um und geologische Prozesse zwangen das Gestein sich zu erheben und Berge zu formen. Hinzukam die spätere Kollision der Eurasische Platte mit der Philippinischen und die Entstehung der Bergkette nahm ungehindert seinen Lauf. Enorme Kräfte ließen die Gesteinsschichten tausende Meter in die Höhe wachsen. Hualien ist heute der Ort, welcher laut Geologen der Subduktionszone am nähsten liegt. Daher sind die Beben hier mit am stärksten. Doch noch haben wir keine Taroko Schlucht. Dies war das Werk des Liwu Flusses und vieler kleinerer und größerer Wasserläufe mit ihren Schmelz- und Regenwässern. Kontinuierlich arbeiteten sie sich durch das Gestein. Ständiges Wachstum und ständige Abtragung und Auswaschung ließen entstehen was wir heute sehen: Die 19 km lange, atemberaubend schöne und tief eingeschnittene Taroko Schlucht mit ihren ebenso wunderschönen Nebentälern. Die hunderte Meter vor einem steil aufragenden Mamorwände sind enorm und ich konnte nichts anderes als nur staunen und genießen. Das ganze Gebiet ist ein reines Naturwunder voll mit Wasserfällen, Tempeln, Pavillions, Pagoden, Tunneln, Hängebrücken, Felshängen und -formationen, Schluchten und sagenhaften Ausblicken.

Eine einzige Straße führt durch das Gelände. Eine geschichtsträchtige Straße mit einer Gesamtlänge von 192 km: der Highway No. 8, der so genannte Central Cross-Island Highway. Erbaut von den Japanern über einen Zeitraum von fast vier Jahren (Juli 1956 bis Mai 1960) diente er vor allem als Möglichkeit das Hinterland nach Rohstoffen abzusuchen sowie in Krisen- und Kriegszeiten schnell Streitkräfte vom Westen auf die Ostseite der Insel zu bringen. Täglich gruben sich 5000 bis 6000 Männer unter zu Hilfenahme von Sprengstoff durch die massiven Gesteinsschichten. Man sagt der Highway wurde unter „Blut, Schweiß und Tränen“ erbaut. Der ‚Schrein des Ewigen Frühlungs‘ erinnert an die 226 Arbeiter, welche während der Bauzeit ihr Leben verloren. Mir bleibt nur das Geschaffene zu ehren und ein Dank in ihre Richtung zu schicken.

Vier Mal war ich im Park. Zweimal mit Mey, einer jungen Israelin, welche mit mir im Hostel arbeitete und zwei Mal allein. Der Park ist sehr weitläufig und die Eingänge zu den jeweiligen Wanderwegen sehr verstreut. Innerhalb des Geländes bewegten wir uns mit Hilfe eines Buses oder der netten Autofahrer, welche anhalten, wenn man seinen Daumen rausstreckt. Man braucht eine ungefähre Idee, welchen Weg oder welche Wege man am Tag gehen möchte. Für manche benötigt man nur eine Stunde, für andere 2, 3 oder 4, oder es sind ganze Tageswanderungen. Die aktuellen Informationen über die Zustände der Strecken sind täglich im Internet abrufbar. Vor allem nach Regenfällen können Wanderwege auf Grund von Steinschlägen oder Erdrutschen teilweise oder vollständig gesperrt sein. Die Wege sind unterteilt in schwer, mittel und Spazierweg. Mey und ich suchten uns für unsere erste Wanderung einen richtigen Wanderweg (Level schwer) aus. Die meisten Wanderwege sind Überbleibsel aus der Zeit der Erschließung des Parks und der Errichtung des Highways. Es sind aber auch alte Versorgungswege, alte Jagdpfade der Einheimischen oder Polizei- und Patrouillenwege.

Genau solch einen Patrouillenweg haben wir uns für unsere erste Wanderung ausgesucht. Während der japanischen Besetzung wurde der Lushui-Wenshan-Trail vor allem von Soldaten genutzt, welche die Einheimischen kontrollieren und im Auge behalten sollten. Er war 5,5 km lang und mit einer vorgeschlagenen Wanderzeit von vier bis fünf Stunden in einem überwiegend bewaldeten Gebiet. Das Konzept des Parkes ist sehr durchdacht. Alles ist sehr gut ausgeschildert und kleine Schilder informieren über Geschichte, Flora und Fauna. Etwas über eine Stunde ging es ausschließlich steil bergauf. Stufen, Stufen, Stufen, Stufen, Stufen….. Wurde es herausfordender waren Seile oder Ketten zum raufziehen oder zur Sicherung angebracht. Glücklich und etwas erschöpft oben angekommen, fühlte es sich so an als befanden wir uns auf einem kurzen Sattelabschnitt, da wir sowohl nach rechts als auch links unten blicken konnten. Es war eine sehr tolle Wanderung. Wir beide waren begeistert und unser erster Tag im Nationalpark ein voller Erfolg. Wir hatten Glück mit dem Wetter und auf der gesamten Länge des Weges kamen uns nur zwei andere Wanderer entgegen.

Folgendes Schild stand in Mitten des Waldes auf einer kleinen Lichtung. Sehr toll! Findet ihr nicht?

Please stop, close your eyes and listen carefully, the forest is talking to you!
(Bitte halte inne, schließ deine Augen und hör genau hin, der Walt spricht zu dir!)
Take deep breaths without worry, bringing the natural molecules in the air into your blood;
(Atme tief und sorgenfrei ein, gewähre den Molekülen der Natur, welche sich in der Luft befinden, Eingang in deine Blutbahnen)
Open all the pores on every inch of your skin to let the fresh breeze penetrate your body.
(Öffne jede Pore, jeden Zentimeter deiner Haut, damit die frischen Brise in deinen Körper
dringen kann)

Look around, you are surrounded by trees.
(Schau dich um, du bist umgeben von Bäumen.)
Closely observe tree and every blade of grass,
(Beobachte jeden Baum und jeden Grashalm aus nähster Nähe)
From the treetops, the thin branches, the trunks, the leaves, the climbing plants and epiphytes, fallen leaves….
(Von der Baumkrone, die dünnen Äste, den Stamm, die Blätter, Kletterpflanzen und Epiphyten, heruntergefallene Blätter…)
Insects, birds, and animals hidden in the trees…..
(Insekten, Vögel und Tiere, welche sich in den Bäumen verstecken…)

In different weather conditions different scenes will be seen;
(Unterschiedliches Wettersituationen rufen unterschiedliche Stimmungen hervor)
When it’s fine, the sunshine is filtered throught the crown and falls on the ground cover plants;
(Bei schönen Wetter erleuchtet der Sonnenschein die sonst bedeckten Pflanzen auf dem Boden;)
Or rainy days, don’t forget to look for the transparent raindrops hanging form the tip of leaves;
(Vergiss nicht an Regentagen dir die transparenten Regentropfen anzuschauen, welche von den Blattspitzen hängen;)
When mist comes don’t miss the ever changing cloud forest.
(Wenn Nebel den Wald durchdringt, versäume nicht den stetigen Wandel der Wolken im Wald)

Finally, leave quietly, happily and gratefully,
(Dann verlasse den Ort in Ruhe, glücklich und in Dankbarkeit)
Letting everything go on as usual here.
(Hier alles seinen gewohnten Bahnen verlaufend)

An unserem zweiten gemeinsamen Ausflugstag machten wir uns auf zur so genannen Buluowan Terrasse. Buluowan ist ein alter Siedlungsplatz der indigenen Ureinwohner Tarokos. Neben einer tollen Ausicht, gibt es hier auch ein Besuchermuseum, welches über den Lebensstil und die Riten des in den Bergen heimischen Stammes aufklärt. Nach 2014 wurden 16 Stammesgruppen von der Regierung offiziell anerkannt. Nach jahrhunderte langer Unterdrückung wird ihnen seit einigen Jahren eine eigene Stimme und ein freies Ausleben ihrer Kultur zugestanden. Die Bevölkerungszusammensetzung Taiwans und die Geschichte der Insel sind sehr komplex. Die Kürze der mir zur Verfügung stehenden Zeit erlaubt mir leider nicht noch näher darauf einzugehen. Das ganze Thema ist jedoch hochaktuell und es bleibt zu beobachten in welche Richtung es mit Taiwan gehen wird – ein Land mit einer sehr jungen Demokratie, welches die Unabhängigkeit von China um jeden Preis bewahren möchte. China hat damit jedoch ein sehr großes Problem, da es denkt ein Anrecht auf die kleine Insel zu haben, welche unter militärischen Gesichtspunkten und strategisch gesehen sehr wertvoll ist.

Doch zurück zur Buluowan Terasse. Leider fing es schon ziemlich kurz nach unserer Ankunft an heftig zu regnen. Das heißt, so richtig viel konnten wir hier nicht machen. Wir schauten uns zwei vom Besucherzentrum angebotenen Kurzfilme über den Park und dessen Ureinwohner an, erkundeten ein wenig die Gegend und genossen die Aussicht. Im April blühen hier gelbe Lilien. Ich hatte auf gut Glück einfach mal mein Makroobjektiv dabei. Aber es war Februar also nix da mit blühenden gelben Lilien. 😀 Aber Mey interessierte sich auch für Fotografie und so gab ich ihr einen Einführungskurs und ließ sie ein wenig mit der Kamera experimentieren. Wir tauschten gelb gegen rosa und knipsten pink blühende Knospen. Vielleicht gehört der Baum zu einem der zig Kirschblütenarten, aber genau kann ich das nicht sagen. Vielleicht weiß es ja einer von euch?

Das Gelände selber war klein und schnell erkundet. Da das Wetter dieses Mal nicht so mitspielte, entschieden wir dem Besucherzentrum des Parks einen Besuch abzustatten. Da wir uns das Geld für den Bus sparen wollten und trampen aufgrund der Offenheit und Freundlichkeit der Taiwanesen sehr einfach ist, versuchten wir auch dieses Mal unser Glück. Ich bin noch nie in meinem Leben getrampt. Nirgendwo. Aber irgendwie war es Zeit. Es gab so viele Zeichen und so wurde Mey zu meiner Tramplehrerin. Und ja, es kostete irgendwie Überwindung den Daum rauszuhalten. Aber nach ein wenig Übung klappte es recht gut und wir haben immer sehr nette Autofahrer kennengelernt, mal mit weniger mal mit mehr Englischkenntnissen. So war die Konversation manchmal sehr belebt und manchmal konnte man sich einfach nicht austauschen. Aber das war okay. Man sah, dass sie sehr froh drüber waren, irgendwie helfen zu können. Und an diesem Tag hielt ein kleiner Tourbus für uns an. Sehr praktisch war, dass das kleine Grüppchen seine Tour noch nicht beendet hatte und wir noch an zwei Aussichtspunkten hielten. Wir hielten am oben erwähnten Schrein des Ewigen Frühlings und am Eingang des Changchun Wanderweges. Zugang zu diesem Weg ging mit dem Überqueren einer Hängebrücke überein. Diejenigen von euch, welche meinen Beitrag über meine Baumwipfelerfahrung in Malaysia gelesen haben, haben eine ungefähre Idee davon was mit mir beim Betreten einer Hängebrücke geschieht. Und auch hier, ich habs versucht, aber irgendwie konnte ich sie nicht überqueren. Aber anders als im Dezember letzten Jahres habe ich weitere Erkenntnisse über mich hinzugewonnen und ich formulierte eine persönliche Mission. Ich würde den Park nicht eher verlassen bis diese Brücke überquert war. Verdammt, so schwer kann es doch nicht sein…..

…..

Ein paar Tage später fandich mich früh am morgen (ich war super früh aufgestanden, um vor eventuell anderen Wanderern dort zu sein) vor der Brücke stehen. Und ich war fast allein. Ein paar Bauarbeiter spannten ein paar Kabel, aber sie arbeiteten nicht auf der Brücke, so dass keine äußeren Faktoren ein Schwingen verursachen konnten. Und dann lief ich los, erst super langsam. Doch zu langsam war irgendwie nicht gut, also beschleunigte ich meinen Schritt. Keine Ahnung, ob ich in den Sekunden geatmet habe, aber ich kam auf der anderen Seite an. Ich versuchte meine Nerven zusammenzunehmen und zu 100% im Hier und Jetzt zu sein. Ich wollte der Angst keine Chance lassen, welche nur in Verbindung mit Vergangenem oder vorgestelltem Zukünftigen existiert. Und es hat geklappt. Ich war schon ein wenig stolz. Ich habe die Brücke insgesamt drei Mal überquerert in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mit und ohne festhalten und mit stehenbleiben. 😀

Der Wanderweg selber war sehr nett. Von den 2 km waren nur die ersten 800 m zum Glockenturm zugänglich. Ich hatte meine Schüssel mit Müsli dabei und genoß am Turm mein verdientes Frühstück. Es gibt den Glauben, dass die Geister der beim Bau der Straße verstorbenen Männer, den Klang der Glocke mögen und er sie beruhigt. Ich tat ihnen den Gefallen, ließ die Glocke erklingen und sich die glücksverheißenden Schwingungen im Tal ausbreiten.

Hinsichtlich meiner Kamera hatte ich an diesem Tag nicht so viel Glück. Ich hatte einen Anfängerfehler begangen. Ich trug eine fast 1,5 kg schwere Kamera ohne SD Karte mit mir herum. 😀 Am Abend zuvor hatte ich bereits Bilder auf meinen Laptop übertragen und vergessen die Karte wieder in meine Kamera zu stecken. Schwamm drüber…, da musste heute wohl mal mein Handy herhalten. 🙂 Ich suchte mir für heute einen weiteren Wanderweg aus. Ich wollte das Schakadang Tal erkunden. Der Weg war nicht wirklich anspruchsvoll doch galt er als einer der schönsten im Park. Und ja, wenn ich einen Weg als Favoriten bezeichnen müsste, es wäre dieser. Ich bin ihn zweimal gegangen. Das zweite Mal mit SD Karte. 🙂 Ich kann es nicht richtig beschreiben, aber ich fühlte mich von den rechts und links aufsteigenden Berghängen irgendwie umarmt. Ich fühlte mich sicher, friedlich und völlig bei mir selbst. Ich denke, das trifft es so ziemlich genau. 🙂

Am vierten und letzten Tag suchte ich mir zu Beginn die so genannte Schalben Grotte und zum Nachmittag noch einmal den Schakadang Trail heraus. Die Schwalben Grotte war nicht wirklich ein Wanderweg. Es war eher eine sehr schmale Straße mit vielen Tunneln in einer sehr engen Schlucht. Hier sah man die unglaublich beeindruckenden vor einem steil aufragenden Mamorwände. Hier stand ich nur da und staunte. So etwas wie diesen Park hatte ich während meiner Reise noch nicht gesehen. Falls ihr jemals entscheiden solltet Urlaub in Taiwan zu machen (Seba ich denke da auch an dich, da das Essen hier auch unglaublich variationsreich und mehr als lecker ist 🙂 ), müsst ihr ein paar Tage in Hualien verweilen und die Taroko Schlucht besuchen. Für mich sind Steine nicht hart oder kalt. Ich bin gern umgeben von Fels und Gestein. Für mich strahlt es eine große Ruhe und Sanftheit aus, obwohl so viel Energie und Power dahintersteckt, so viel Erlebtes und soviel Geschichte. 😀 Auf den Fotos werdet ihr Brüche, Verschiebungen, Verwerfungen wie auch Falten sehen, welche sich im kleinsten Millimeterbereich wie auch im Zehnermeterbereich bewegen.

Meine Zeit in Hualien neigte sich dem Ende entgegen und ich bekam ein paar Tage bevor ich weiterziehen wollte, die Zusage von Rebecca. Einem Workaway Host, welcher im Norden Taiwans in der Nähe von Taipei, der Hauptstand, wohnt.

Jaaaa…., Rebecca…., wie kann ich die Zeit bei ihr am besten beschreiben….? Als ich Dan das Workaway zeigte, meinte ich noch: Guck mal, das sieht doch ganz relaxt aus. Wenn ich heute daran denke, könnte ich einen Lachanfall bekommen. 😀 Ihr Profil war sehr knapp gehalten. Man konnte ihm nur entnehmen, dass sie gerade ein altes Haus renoviert, welches sie zu einem Airbnb/Gästehaus umbaut. Hierbei benötigt sie Unterstützung wie auch Hilfe im Garten. Malern, allgemeine Reinigungstätigkeiten, Unkraut entfernen, Bäume pflanzen, so in diese Richtung…. Ja, es war in diese Richtung und noch vieles mehr…. 😀

Rebecca hatte keine wirkliche Idee was ein Workaway war und wie es funktionierte. Sie hatte von der Seite gehört und ihren Sohn gebeten ein Profil einzurichten. Sie kannte ähnliche Projekte zum Thema Freiwilligenarbeit, welche eher dem Konzept des Work&Travel folgen. Hier arbeitet man eins, zwei oder drei Monate in einer Gastfamilie, auf einer Farm oder wo auch immer und reist die restliche Zeit. Ein Workaway funktionert hinsichtlich der Einteilung des Tages ein wenig anders. Hier arbeitet man normalerweise ca. 5 Stunden und dann hat man Freizeit und kann die Gegend erkunden. Das macht man 5 Tage die Woche und erhält im Gegenzug auf jeden Fall Logis und manchmal Kost.

Rebecca werkelte bereits seit fünf Monaten und das ohne Pause bis zu 12 Stunden täglich. Ihre Projekte und Vorhaben waren immens. Und wenn ich schreibe immens, dann meine ich immens im Sinne von gewaltig und riesig bis fast unmöglich bis hin zu einer organisatorischen Meisterleistung. Rebecca war die Gastfreundschaft in Person. Nach 14 Tagen im 6 Personen Schlafsaal, auch wenn dieser nur selten völlig ausgebucht war, kam ich für die nächsten drei Wochen in den Genuß eines eigenen Zimmers. Rebecca liebte es zu kochen und sie war eine sehr gute Köchin. Jackson, ein Anfang 20-jähriger Amerikaner, und ich bekamen zweimal am Tag eine warme Mahlzeit. Rebecca wollte zu 1000% sicher gehen, dass wir auch bloss keinen Hunger leiden und stopfte uns voll mit Essen. Ganz ehrlich, ich kann mich nicht erinnern, wann ich das Letzte Mal so viel gegessen habe. Das war schon fast unheimlich. Und nein, ich muss euch enttäuschen, trotz der Unmengen an Nahrung, welche ich zu mir genommen habe, habe ich kein Gramm zugenommen. Wie das kommt? Ich kann es euch nicht sagen, vermutlich die harte Arbeit, welche ich hier geleistet habe.… Aber keine Sorgen, ich fühle mich sehr gesund und vital! Ich würd mal sagen, ich habe sehr gute Gene und einen grandiosen Stoffwechsel mit auf den Weg bekommen. 😀

Kurz etwas mehr zu Rebecca bevor ich erzähle was so meine Aufgaben waren. Kurzzusammenfassung: Diese Frau ist ein Phänomen. Seit Beginn ihrer Existenz eigentlich Künstlerin, studierte sie Medizin, Akkupunktur, Homöopathie und Kräuterkunde. Es ist sehr interessant, dass Eltern jeglicher Kultur der Meinung verhaftet sind, der Job als Künstler bringe kein Geld ein und man solle doch was „richtiges“ lernen. 😀 Für sie war es anscheinend in Ordnung, da sie sehr gern Ärztin ist. Sie wohnt seit ca. 15 Jahren in Neuseeland und kommt eins bis zwei Mal im Jahr nach Taiwan. In Neuseeland bewirtschaftet sie ihre eigene Farm, auf der sie ihr Obst und Gemüse anbaut und zwei Kühen ein zu Hause gibt. Sie liebt die Natur und tut alles um die Umwelt zu schützen. Sie ist eine 58-jährige Powerfrau….., welche jedoch so langsam am Limit läuft, hinsichlich der zu bewältigenden Arbeiten, mit welchen sie sich konfrontiert sieht.

Ihr Anwesen ist wunderschön. Es besteht aus drei Häusern. Eines was sich in den Endzügen des Umbaus befindet, eines in der ihre Mutsch und im Moment sie und wir wohnen und eines, welches seit einem heftigen Taifun vor 20 Jahren leer steht. Es gibt unterschiedliche kleine Beete und Gärten, eine riesige Terrasse und zwei riesige Räumlichkeiten in welchen sie und ihr Ex-Ehemann Kunstworkshops gegeben haben.

Was habe ich dort nicht 5, nicht 6, doch 7, 8 oder auch 9 Stunden täglich gemacht? Ich habe fieses Unkraut mit einer Art Spitzhacke zur Strecke gebracht, nicht ganz so fieses mit den Händen ausgerupft, eine Handvoll Bäume gepflanzt, Fensterrahmen, Türrahmen, Wände und Metallsäulen gestrichen, Mamorböden und Fießen mit Stahlbürsten bearbeitet um den Schaden anderer zuvor dagewesener Helfer zu beseitigen. Ja, ich würde sagen es lohnt sich vorher den Boden abzudecken, bevor man mit Farben hantiert und nein, Lichtschalter übermalern ist keine so gute Idee. Ich habe Eimer voller Erde und Ziegel geschleppt, einen riesigen Müllhaufen auseinandergenommen und hinsichtlich Glas, Metall, Keramik, Holz, Papier und Plastik sortiert. Türrahmen verspachtelt, Vorhänge aufgehangen und drei Tage unser Haus geputzt. Drei Badezimmer, die Küche, der Essensraum und das Wohnzimmer benötigten eine Grundreinigung. Ich glaube meine Hände waren noch nie so erschöpft. Und als hätten wir nicht genug zu tun, haben wir auch noch zwei Parties geschmissen. Dafür musste eingekauft, geschnippelt und gekocht werden. Die Geschwindigkeit, welche Rebecca an den Tag legt ist immens. Der Zeitdruck, welcher auf ihr lastet ist enorm. Sie hat tausend und eine Aufgabe in ihrem Kopf und ist schon bei der nächsten, bevor sie die eigentlich aktuelle in Angriff genommen hat. Ich arbeitete fast 2,5 Wochen am Stück. Zwei Tage hatten Jackson und ich nur halbe Tage. Und an einem waren wir zum Laternenumzug in Taipeh und an dem anderen im Keramikmuseum, welches ich natürlich ganz großartig fand. 🙂

Ehrlich gesagt, war ich an einigen Tagen hin und her gerissen zwischen: „Oh mein Gott, was machst du hier?“ und „Alles ist gut.“ Ich hab zu Dan gesagt, manchmal fühle ich mich wie wegrennen. Doch neben der harten Arbeit, hatten wir auch richtig tolle Gespräche. Rebecca ist sehr lustig, lacht viel und nimmt vieles nicht so Ernst. Sie hat mich über zehn Worte und Redewendungen wie ‚Hallo‘, ‚Wie geht’s?‘, ‚Guten Tag.‘, ‚Gute Nacht‘, ‚Du bist spitze‘, ,wunderschön‘, ‚Ich bin satt‘ und ‚Das Essen ist sehr gut‘ gelehrt. Chinesisch oder sagen wir besser Mandarin ist schon echt eine ganz abgefahrene Sprache. Es ist keine Lautspache wie wir es von all den Sprachen, welche wir kennen, gewohnt sind. Mit Lautsprache meine ich, dass das Schriftbild keine lesbare Phonetik enthält. Die geschriebenen Charaktere sind keine Buchstaben, welche einem Laut entsprechen und welche zusammengesetzt ein Wort mit einer Bedeutung ergeben. Wenn du die verwendeten Ideogramme schreiben und lesen kannst, musst du dir auch die Tonfolge dazu einprägen. Das kantonesische Chinesisch und Mandarin verwenden die gleichen Ideogramme, sprechen diese doch unterschiedlich aus. Es gibt also nicht beispielsweise das Wort „Apfel“, sondern das gemalte Bild eines Apfels. Und nun würde Norddeutschland den Apfel „mimi“ aussprechen und Süddeutschland „bubu“. Beide verstehen sich auf der phonetischen Ebene nicht, aber beide können den Apfel als Ideogramm malen und verstehen sich auf diesem Wege. Chinesisch ist mit eine der ältesten Sprachen der Welt und ein Wörterbuch enthält 50.000 dieser Ideogramme. Mit 3000 ist man aber schon gut dabei und kann Zeitungen und Geschäftsdokumente lesen. Wenn man Literatur studieren möchte, sollte man nochmal 2000 drauflegen. Interessant ist, dass es „nur“ einige hundert phonetische Laute gibt, was bedeutet, dass einige geschriebene Charaktere sich die gleiche Aussprache teilen und nur der Zusammenhang klärt, über was man gerade spricht. Im Gegensatz zum kantonesischen Chinesisch, in dem ein einziger Ton neun phonetische Entsprechnungen hat, hat er im Mandarin nur vier. Man hebt seine Stimme, man senkt sie, sie bleibt gleich oder man beginnt hoch, geht runter und endet wieder oben, also ein heben, senken, heben. Und ja, es gibt keine rollende Laute wie unser ‚r‘ oder das ‚ch‘ in Bach. Im Rachen produzierte Laute gibt es so gut wie keine. Aber im Vergleich zum Deutschen gibt es mehr Zischlaute. Und anders als im Hindi, in dem es eine feste Transliteration in das romanische Schreibsystem gibt, ist es einem hier selbst überlassen wie man das gehörte Wörte mit seinen zur Verfügung stehenden Buchstaben niederschreibt. Es war sehr spannend einige Worte zu lernen und ich werde sie mit Sicherheit nicht so schnell wieder vergessen, so oft wie ich sie gehört und gesprochen habe. 🙂

Aber zurück zu Rebecca. Nein, ich bin nicht weggerannt. 🙂 Aber nach den 2,5 Wochen hatte ich ganze vier freie Tage und in diesen Tagen verschwand ich von der Bildfläche und war ganz für mich allein. 🙂 Zeit zum Regenerieren, welche ich und mein Körper auf jeden Fall benötigte. Was habe ich so schönes gemacht? Ich bin in den Zug gesprungen und Richtung Nordosten gefahren.

Jiufen ist ein kleines Städtchen am Berghang. Klein, aber super touristisch. Noch zum Ende des 19. Jh. sollen hier nur neun Familien gewohnt haben. Doch die Ruhe im Dörfchen war vorbei, als die Frauen der Stadt in dem Sand, welche sie zum reinigen ihrer Wokpfannen nutzen, Goldstaub fanden. Bis zu den 1940er erlag die Stadt dem Goldrausch mit allem drum und dran. Bis keines mehr zu finden war und sie zurück in ihren Dornröschenschlaf fiel. Ende der 90er entdeckte ein Filmdirektor das malerische Städtchen wieder und machte es zur Koulisse  für einen für die Geschichte des Landes wichtigen Film. Seitdem hat der Tourismus den Ort nicht wieder losgelassen. Menschenmassen, vor allem Japaner und Koreaner, schieben sich durch die engen Gassen, in welchen man eine Unmenge Essensstände und Souvenirläden findet. Auch wenn ich mich so ein bisschen wie auf dem Weihnachtsmarkt fühlte, machte es Spaß sich durch die unterschiedlichen Snacks zu probieren. Leider hat es in Strömen geregnet, so dass man auf den Fotos mehr Schirme als Gässchen beschauen kann. 🙂 Wenn man sich die Zeit nimmt und sich nicht einfach so durchschieben lässt, kann man sehr alte und berühmte Teehäuser entdecken sowie kleine Künster- und Keramikgeschäfte. Ich für meinen Teil hatte einen sehr schönen Nachmittag. 😀

Am folgenden Tag war ich in einem Geopark. Leider läuft mir die Zeit ein wenig davon und ich schaffe es nicht mehr euch zu erklären warum die Steinformationen so aussehen wie sie aussehen. (Euch bleibt nur das Anschauen der Bilder, welche ich noch veröffentlichen werde. Versprochen) Doch auch hier haben Sonne, Wind und Wasser beeindruckende Arbeit geleistet. Der Park ist voll kurioser Felsformationen mit noch kurioser klingenden Namen wie Pilz-, Ingwer- und Kerzenfelsen. Man kann Formationen entdecken, welche einem Eisbecher, einem Drachenkopf, einen FlipFlop oder dem Kopf einer Königin ähneln. Letztere übrigens das Aushängeschild und der bekannteste Felsen des Parkes. Die Fossilien, Flora und Fauna sowie die Aussicht sind großartig. Ich hatte einen wundervollen Tag. Das Wetter war perfekt. Es war ein Sonntag und wie ihr euch sicher vorstellen könnt, ist man an einem Sonntag nicht allein. Auch hier werden Busladungen von Touristen ausgekippt. Ein Foto vom Königinnenkopf habe ich nicht. Ich wollte mich nicht in die Warteschlange einreihen. Doch die Gegend ist sehr weitläufig und nicht alle gehen die Halbinsel bis zum Ende. Was das ganze noch eine Spur angenehmer gestaltet. 🙂

Tag drei war mein Wandertag. Der Caoling Historic Mountain Trail hörte sich sehr vielversprechend an. Ich nahm einen frühen Zug und eine halbe Stunde später war ich da. Der Tag sah perfekt aus. Die Regenwolken von gestern waren verschwunden und die Sonne schien mir fröhlich ins Gesicht. Ich war an einem Montag unterwegs und wie gehofft den kompletten Aufstieg fast alleine unterwegs. Um 1800 als Weg befestigt, diente er chinesischen Einwanderern um von Taipeh in die fruchtbaren Ebenen von Yilan zugelangen. Es war die erste Route, welche durch das Bergland führte, welches den Norden vom Nordosten trennte. Man hatte somit eine Alternative zum gefährlicheren Seeweg geschaffen. Ich war sehr froh über meine Entscheidung vom Süden nach Norden zu laufen. Der Aufstieg war zwar steiler als anders herum, aber somit auch kürzer. Einmal den Gipfel erklommen ging es dann stetig aber sehr gemächlich bergab. Auf dem Weg begegnet man zwei Steininschriften, welcher ein chinesischer Kommandant in die Felsen eingravieren ließ. Auf seiner Tour 1867 sah er sich mit starkem Wind und Nebel konfrontiert. Gemäß der chinesischen Redewendung „Wolken gehorchen dem Drachen. Wind gehorcht dem Tiger.“ soll der eine Stein mit dem kalligraphischen Symbol des Tigers, den Wind auf dem Weg im Zaum halten. Mit der größten Steininschrift Taiwans, welche übersetzt so etwas bedeutet wie „Mutig bezwingen sie den wilden Nebel.“, zollt der Kommandant den Männer und Frauen, welche sich auf diesem Weg bewegen und allen Wetterwidrigkeiten trotzen, seinen Respekt. Ich würde mal sagen dieser Wanderweg war in Ordnung und ordnet sich in die Kategorie „nicht ganz so spektakulär“ ein. 🙂

Kurz nach zwei war ich wieder zurück in Ruifang. Ich wäre im Zug fast eingeschlafen und entschied, dass es Zeit für einen Kaffee war. Ich habe ein Café entdeckt, welche Bohnen aus ganz unterschiedlichen Teilen der Erde anbiete und aus irgendeinem Grund dafür kein Vermögen von mir verlangt. 😀 Nach dem äthiopischen und kenianischen fiel die Wahl heute auf die Bohne aus Kolumbien. Und ja, was soll ich sagen, noch immer hat Koffein eine erstaunliche Wirkung auf mich. Ich war wieder erwacht. 🙂 Nach dem ich nicht so recht wußte wohin mit mir am frühen Nachmittag, erinnerte ich mich, dass ich eigentlich auch den Mt. Keelung in Jiufen erwandern wollte. Doch da es zwei Tage zuvor in Strömen geregnet hat, konnte ich den Weg nicht gehen. Doch nun hatte ich Zeit dafür. Sehr schön. 🙂

Also sprang ich wieder in den Bus und 10 Minuten später war ich erneut in der Goldgräberstadt. Da ich den Eingang zum Wanderweg nicht gleich fand, sprach ich eine junge Taiwanesin an, ob sie mir weiterhelfen konnte. Und klar konnte sie! Sie rief mal fix ihren Freund an, welcher Auskunft geben konnte und dann fuhr sie mich sehr spontan mit ihrem Auto hin! Sehr toll! Damit hatte ich auf keinen Fall gerechnet. Und dann hieß es 700 Meter den Berg hinauf und Treppen steigen. Dem Kaffee sei Dank und ich fand mich den Aufstieg fast heraufhüpfend. 😀 Sehr witzig. Je höher ich jedoch kam desto mehr zog es sich zu bis ich mit samt der Aussicht in den Wolken verschwand. 😀 Aber nichts desto trotz war es ein schöner Weg und die ersten Meter war die Sicht ja fast noch in Ordnung. Weit konnte ich nicht sehen, aber zumindest regnete es nicht.

An meinem letzten freien Tag wollte ich zu einem Wasserfall und nach Pingxi, welches berühmt für sein Laternenfest ist. Das hatte ich Anfang März verpasst, aber ich hatte Zeit und Lust einfach mal zu schauen, was da sonst noch so abgeht. 😉

Und wieder hatte ich alles richtig gemacht. Es war sehr gut auch an diesem Tag einen frühen Zug zu nehmen. Der Wasserfall, welcher sich in einem Park befand, war ab neun Uhr zugänglich. Ich betrat den Park gegen 9:30 Uhr und ich war fast allein. Keine Menschenmassen und kein Gedränge für ein Selfie mit dem Wasserfall. Ich war mehr als hocherfreut und positiv überrascht. Weiterhin war der Fall wunderschön, damit hatte ich echt nicht gerechnet. An diesem Tag schien keine Sonne und das war ausnahmsweise mal sehr gut. Die Wolkendecke war dick, gut der Regen und starke Wind hätte jetzt nicht unbedingt sein gemusst, aber ich beschwere mich nicht. Die Wolken und mein Objektiv mit Blende 22 ermöglichten mir Langzeitaufnahmen von etwas weniger als einer Sekunde. Das Geländer war perfekt um meine Kamera darauf abzulegen. Halten ohne zu Verwackeln kann ich bei einer Achtel, Viertel oder halben Sekunde nicht mehr. Blende 22 verwende ich sonst nie, doch hier holte ich alles raus was ging. Und wieder einmal muss ich es sagen: Ich liebe mein Objektiv. Das Geld, welches ich hier inverstiert habe, hat sich bei weitem ausgezahlt. Der Wasserfall in Langzeitbelichtung sieht großartig aus. Mit der Einsamkeit im Park war es nach einer guten Stunde vorbei. Die ersten Busse mit Touristen rollten an, doch ich nahm mir meine Zeit und wartete geduldig auf meine Lücken für die Bilder. Es war bei weitem nicht voll, das Wetter verschlechterte sich auch zusehens bis es auf meinem Rückweg begann in Strömen zu regnen.

In Pingxi ging nicht ganz so viel. Sowohl in Shifen als auch in Pingxi sind die Laternen, welche man immer starten lassen kann, die Hauptatraktion. Mit auf ihnen geschriebenen Wünschen lässt man sie mit natürlich vielen das Event festhaltenden Fotos in den Himmel aufsteigen. Und das ganze macht man auf einem Bahngleis. Rechts und links von Gleis gibt es natürlich wieder eine handvoll Souvenirgeschäfte und Restaurants für die hungrigen Touristen. 🙂

Das war der vierte und letzte meiner freien Tage. Noch am selben fuhr ich zurück zu Rebecca nach Taipeh. Drei Tage hieß es noch einmal volle Unterstützung, doch dann hatte ich ausgedient. Ich half ihr letzten Samstag noch kurz eine kleine Party vorzubereiten, welcher ich noch bis zum Nachmittag beiwohnte, doch dann war meine Zeit abgelaufen. Ich wollte meinen Bericht schreiben und dafür benötigte ich Zeit. Und ich benötigte genau 2,5 Tage. Rekordgeschwindigkeit für 11 A4 Seiten. 🙂

Rebecca fiel der Abschied sichtlich schwer. Sie hielt so viel von mir, dass sie mir bereits nach zwei Wochen Arbeit ersthaft die Leitung ihres Gästehauses anbot. Da musste ich erst einmal schlucken. Geantwortet habe ich ihr noch nicht, da ich ihr versprochen hatte ernsthaft darüber nachzudenken. Das habe ich getan und meine Entscheidung schon fast getroffen.

Was sie mir ebenso angeboten hat, ist, dass ich als erste Künstlerin (als welche ich mich noch nicht ganz sehen 🙂 ) bei der Neueröffnung ihres Gallerie- und Kunstbereiches nächstes Jahr meine Fotos ausstellen darf. Na dann bin ich ja mal gespannt. Lust dazu habe ich auf jeden Fall. 😀

Und so komme ich zum Ende meines Beitrages. Heute ist Dienstag. Letzte Nacht ging mein Flieger von Taipeh zurück nach Kuala Lumpur. Dafür, dass ich diese kleine Insel so rein gar nicht auf meinem Reiseplan stehen hatte, hatte ich doch eine überaus wundervolle Zeit hier. Ich habe genau die Menschen getroffen, welche für mich bestimmt waren. Und wieder kam ich zu der ein oder anderen Erkenntnis. Ich habe wieder gute Freunde und zwei Türen gefunden, an welche ich immer klopfen kann und welche mir offen stehen. Ja, eigentlich drei. Rebeccas Farm in Neuseeland darf dazugezählt werden. Das hat sie hundert Mal betont. 🙂

Zum Schluß noch ein kurzer Satz zum Essen, welches man hier zu sichen nehmen kann. Wenn man geduldig ist und genau hinsieht, bekommt man in dem Fisch- und Fleischliebenden Land auch ein breite Palette an vegetarischen Gerichten angeboten. Im Gegensatz zu den etwas südlicher gelegenen Ländern stehen hier Nudeln statt Reis auf dem Programm. Was mich sehr, sehr glücklich machte. Ich kann dreimal am Tag Nudeln essen, Reis drei Mal am Tag fällt mir um Längen schwerer. 😀 Weiterhin lieben die Taiwanesen Sushi, Dumplings (unterschiedlich gefüllte Teigtaschen), dann soetwas wie Hefeklöße, süß und herzhaft gefüllt. Viele Gerichte sind mit roten Bohnen und schwarzer Sesam ist der Hit. Den bekommt man überall und gemahlenes schwarzes Sesampulver hatte ich jeden Morgen in meinem Müsli. Soooo lecker. Ebenso habe ich noch nie so vielen unterschiedlich zubereiteten Tofu in Asien gesehen. Ich bin ganz und gar kein Tofu Mensch, doch hier habe ich meine Tofukarriere angefangen und ich denke auch wieder beendet. Manche Sorten sind auf jeden Fall sehr, sehr lecker zubereitet. Es gibt so vieles mehr….., die Nachtmärkte auf denen man sich durchessen kann, müssen legendär sein. Leider habe ich es auf keinen geschafft. Der Blogeintrag hatte absolute Priorität. Er war sogar wichtiger als das berühmte Nationale Palastmuseum, ein Kunstmuseum welches die weltweit größte Sammlung chinesischer Kunstwerke zeigt. Ja, ich muss wiederkommen. Auch um in eine der hundert heißen Quellen zu hüpfen, welche überall auf der Insel verteilt sind. Auch etwas, was ich leider nicht geschafft habe.

Nun die Beantwortung der am Anfang gestellten Frage: Warum der Stress? In genau 10 Stunden bringt mich ein Bus ins drei Stunden entfernte Kuantan und hält genau vor einem Meditationszentrum. Vor fast drei Jahren ist mir die Methode der Vipassana Meditaion über den Weg gelaufen und während meiner Reise bin ich immer wieder Menschen begegnet, welche solch einen 10-tages Kurs absolviert haben. Nachdem sich der Gedanke an solch einen Kurs lange Zeit eher etwas einschüchternd angefühlt hat, ist meine Zeit gekommen. Ich bin bereit und ich freue mich darauf.

Was genau werde ich dort machen? Äußerlich genau vier Dinge: Meditieren, Essen, Schlafen und Badangelegenheiten. Innerlich: Das werde ich sehen, wenn es soweit ist. ? Ich bin sehr gespannt darauf, ob etwas mit mir passiert, und wenn ja was und wie heftig es werden wird.

Meditieren gut und schön. Aber wie lange? 10 Stunden täglich an 10 aufeinanderfolgenden Tagen. Mir wird keinerlei Ablenkung zur Verfügung stehen. Jegliche elektronischen Geräte wie Handy und Laptop, Kamera sowie Bücher, Hefte und Stifte müssen und werde ich abgeben. Ich werde für 10 Tage nicht sprechen und keinen Blickkontakt mit anderen haben. Ich werde nur mit mir sein. Wann ich wo sein muss regelt ein Gong. Der erste Gongschlag ertönt um vier Uhr morgens, was das Ende der Nacht und die erste Meditationseinheit um halb fünf bedeutet. Der Tag endet neun Uhr abends.

Das Ganze mache ich vom 28.3. bis 8.4. Dann hab ich drei Tage Pause und dann geht es in den nächsten 10-tages Kurs bis zum 22.4. Dieses Mal jedoch als freiwilliger Helfer. Dies muss jedoch noch von meinem Lehrer im ersten Kurs abgesegnet werden. Daniel ist bereits im Center. Wenn ich am Kurs teilnehme, hilft er aus und wenn ich aushelfe, sitzt er. Männer und Frauen sind auf dem Gelände getrennt untergebracht und jeglicher Kontakt ist strengstens untersagt. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir die drei Tage Pause zwischen den Kursen gemeinsam außerhalb des Centers verbringen.

Das bedeutet, das nächste Mal werdet ihr frühestens Ende April von mir hören. Und ich verspreche euch, bilder vom Park nachzuliefern. Jetzt ist es kurz vor 1 Uhr und ich bin KO. Mein Flug gestern abend ging von Mitternacht bis halb fünf Uhr morgens und so richtig angenehm sind Flüge zu dieser Zeit nicht. Aber seins drum. Mir bleiben ein paar Stündchen Schlaf, bevor ich meine Augen wieder öffnen muss. 🙂 Ganz liebe Grüße in ganz viele Länder dieser Erde. Lasst es euch allen gut gehen. Wir hören uns in einer handvoll Wochen wieder. 🙂

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